Golf TV weekly
Wednesday, 1. October 2008
22:00 Eurosport, US PGA Tour, The Tour Champoionship
23:00 Eurosport, European Tour
23:30 Eurosport, Golf Club
Wednesday, 1. October 2008
22:00 Eurosport, US PGA Tour, The Tour Champoionship
23:00 Eurosport, European Tour
23:30 Eurosport, Golf Club
Freud und Leid beim Golf liegen einfach zu dicht zusammen. Am heutigen Sonntag zu 18 Loch nach Kaden gefahren und auf den ersten 9 Loch war meine Golferwelt noch in Ordnung. 5 Pars, 3 Bogeys und 1 Doublebogey = alles gut. Der Einbruch kam dann aber doch und nach 7 Nettopunkten auf den folgenden 5 Loch habe ich es dann gelassen. Die ersten 9 Loch mit 26 Nettopunkten haben deutlich mehr Spaß gemacht!
Aus unserer Serie Das kleine Telefonhörspiel mit Oliver Heuler
„Tut Tuut“
„Tut Tuut“
OH: „Heuler!“
EP: „Hi Oliver, ich bin´s…“
OH: unterdrückter Seufzer: Oh, prima, na, was kann ich für Dich tun?
EP: Och, wollte mich nur mal melden …
OH: Das ist nett. Es war schön mit Dir zu reden…
EP: OLIVER! OH: Ja?
EP: Ich bin jetzt endlich erleuchtet!
OH: (Pause, dann atmet er wieder): Gute Nachricht! Großartig! Also – es war schön mit Dir zu reden…
EP: Oliver! Ich meine es Ernst!
OH: Na prima, endlich. Und seit wann bist Du …äh … erleuchtet?
EP: Es fing an, als mir das Eisen 5 auf den nackten Zeh knallte. Das war eine sehr intensive Erfahrung und ich spürte, dass jetzt etwas passieren wird. In der ZEN- Literatur ist das exakt so beschrieben: Es gibt Vorzeichen der Erleuchtung …
OH: (plötzlich interessiert) Und was passierte dann?
EP: Dann trank ich den Wodka, den ich beim „Günni Invitational“ gewonnen hatte. Ich wachte nachts auf, musste kotzen, wurde auf dem Weg zum Klo ohnmächtig, schlug mit dem Kopf an den Schrank und die nächsten Tage war ich vollkommen platt.
OH: Vom Wodka?
EP: Nein, vom Orangensaft im Wodka. Meine Bioresonanz-Expertin meint, da wäre ein Schimmelpilz drin gewesen, und weil mein Magenmeridian durch die Verletzung am 2. Zeh ohnehin schon geschwächt war…
OH: …wurdest Du erleuchtet!
EP: Nein, nicht deswegen. In den folgenden Tagen machte ich eine sehr schwere Zeit durch, so, wie es auch von Eckart Tolle erzählt wird. Ich hatte dermaßen die Scheißerei – schlimm! Nach drei Tagen war ich vollkommen leer, wie Buddha, und dann ERWACHTE ich und merkte, dass ich erleuchtet bin.
OH: (langsam genervt) Ach ja? Und woran merktest Du das?
EP: Schwer zu sagen. Diese selige Leichtigkeit in mir. Dieses Nichtverlangen, zum Beispiel nach Wodka, und dann natürlich die Allwissenheit.
OH: Du bist jetzt allwissend?
EP: Tja, scheint so. Kann es selber kaum glauben.
OH: Ich glaub´ es nicht!
EP. Kannst Du ja testen.
OH: Wie?
EP: Na, frag mich irgendwas.
OH: Wie viele Stunden war ich heute auf der Driving Range?
EP: Keine.
OH: Stimmt. Na gut, das war einfach. (blättert nebenher) Aber: wie heißt auf Seite 57 der erste Satz im dritten Absatz meines Buches „Jenseits der Scores“?
EP: „Der Weg des Meisters erfordert Offenheit um die eigenen Grenzen zu überschreiten, und den Mut, Misserfolge zu riskieren“. Meinst Du das?
OH: (erstaunt) Tatsächlich! Na gut – jetzt: Ken Wilber „Ganzheitlich handeln“ Seite 91 letzter Satz…
EP: „Tiefe Spiritualität beinhaltet eine weite Wissenschaft von den höheren Ebenen menschlicher Entwicklung.“
OH: Hmpffff (sprachlos).
EP: Also los: Frag mich mal was richtig Schweres!
OH: OK, OK, mir fällt schon noch was ein… denkt … Also: Ein Mann, 42 Jahre, war 7 Jahre bei der Telekom und wurde dann zu T-Systems strafversetzt. Er sitzt mit seinem fünfjährigen Sohn und seiner Frau, (die eine Schwester in Dortmund hat,) in einem Intercity-Express nach Berlin, der wegen dem Börsengang der Bahn AG nur noch mangelhaft gewartet wird. Auf der Gegenstrecke bewegt sich ein Güterzug mit halber Geschwindigkeit Richtung Kassel. Dieser Mann, 42 Jahre, mit einem Muttermal am Kinn, steht beim Golfschwung leicht gebeugt, zuckelt von Bein zu Bein, hat eine hohe Anspannung, fasst den Schläger zu fest, holt viel zu schnell aus, kreuzt, dreht sich aber im Durchschwung kaum, verschiebt seine Mittelachse enorm und hat kein Finish. Wie ist sein Ballflug und wann erreicht der Intercity Berlin?
EP: Ballflug kerzengerade und Ankunft 13 Uhr 08!
OH: Stimmt. Sagenhaft. Diese Pfeife hat gestern jeden Ball kerzengerade getroffen. Ich fragte ihn, warum er zu mir kommt …
EP: … und er sagte, er könne immer nur gerade aus spielen, aber seine Kumpels können auch rechts und links rum und er möchte lernen, wie man einen Slice spielt. Außerdem will seine Frau mal einen Tag in Berlin rumbummeln und sein Sohn die Eisbären sehen.
OH: Donnerwetter. Genau das waren seine Worte.
EP: Tja, ich kann es nicht ändern. Bin halt erleuchtet. Noch ´ne Frage?
OH: Also: Wer ist der beste Golflehrer der Welt?
EP: ………..
OH: Na?
EP: ……….
OH: Was ist los? Keine Antwort?
EP: Das ist das Schweigen der Buddhas. Es gibt Fragen, die werden mit Schweigen beantwortet. Steht alles in meinem ZEN-Buch.
OH: Tja, das kann sein. Dabei hätte mich die Frage gerade mal interessiert.
EP: Du musst die Antwort in DIR finden!
OH: Ja, danke für den Hinweis. Und was hast Du jetzt vor?
EP: Da denk ich nicht dran. Lebe ja total im JETZT.
OH: Klar, hatte ich vergessen. Und … äh … wie ist es so, wenn man erleuchtet ist.
EP: Nicht schlecht. Lässt sich mit leben … tja … also … wollte es Dir nur mal erzählt haben.
OH: Das ist nett. Es war schön mit Dir zu reden…
EP: Man sieht sich …
OH: Klar und erleuchtet …
EP: HA! Guter Zen-Witz. Klar und erleuchtet! Bis denne … ich segne Dich, mein Sohn
OH: Danke. Tschüss. „Tut Tuut“.
CH: Wer war das? Wieder dieser Spinner? Wir hatten wegen dem doch extra die Telefonnummer gewechselt.
OH: Ja, schon wieder dieser Spinner … (murmelt): Aber woher hat er die neue Nummer?

The sun rose this morning at 6:47. I got myself a tee time at 6:30 to be able to play between 9 and 12 holes before our conference continued at 09:00. I had to play with my luminescent ball for the first three holes to be able to see where I was playing. The pouring rain made it even harder to find your way around. Good thing that I know Bad Saarows Arnold Palmer course by heart. Originally I intended to play the Nick Faldo course, but the greenkeeping crew would have been in my way. So Palmer was fine. I didn’t keep my score but concentrated on fighting the elements. I called it a wrap after nine holes to have some time for a hot shower and drying myself up and grabbing some breakfast. So I did something today to enhance my manliness factor. What about you? ![]()
Es hat dann doch nicht ganz gereicht; der Vorsprung der Amerikaner war zu groß. Die Matches standen an allen drei Tagen mehrheitlich auf des Messers Schneide und wer einen Blick auf das Leaderboard warf, dort eine Mannschaft klar führen sah und sich ein Bier aus der Küche holen ging, konnte bei seiner Rückkehr häufig komplett umgekehrte Verhältnisse und das andere Team klar vorne liegen sehen. Die Amerikaner putteten mehrheitlich wie im Rausch, Lokalmatador Kenny Perry stopfte alles, was sich nur im selben Bundesstaat befand, während einige Europäer - allen voran Oliver Wilson - ungezählte Male den Ball nur haarscharf an die Lochkante legen konnten: Die Kugel wollte einfach nicht fallen.
Das Publikum war mehrheitlich sportlich fair, die amerikanischen Spieler feuerten ihr Publikum an und ließen sich anfeuern, aber die Stimmung war keineswegs so hasserfüllt gegenüber den Europäern wie noch 1999 in Brookline. Der junge Anthony Kim ließ sich feiern wie ein Popstar, und der eine oder andere mag sich an den jungen Sergio Garcia erinnert haben, der die Gegner früher mit seinem brillianten Spiel und seinen wilden Freudenausbrüchen zur Weißglut trieb. Garcia war hingegen diesmal der einzige Spieler (auf beiden Seiten), der komplett neben der Spur war und völlig jenseits jeder akzeptablen Form. Vielleicht gibt es bald eine Erklärung dazu.
Die Captains Picks auf beiden Seiten haben mehrheitlich überzeugt - Hunter Mahan und Ian Poulter haben gekämpft wie die Löwen und maßgeblich zum Erfolg ihrer Teams beigetragen. Ian Poulter holte 4 Punkte aus 5 Spielen und den letzten Punkt verlor er (mit Spielpartner Rose) erst auf dem 18. Grün. Hoffentlich kann er diese Form mit in die ”normale” Saison nehmen und bei einem der nächsten Majorturniere abrufen.
Der neu entdeckte Team Spirit der Amerikaner war zu großen Teilen mitverantwortlich für ihren ersten Sieg seit neun Jahren und es ist gut für den Cup, daß sie gewonnen haben. Zuviel Einseitigkeit nimmt der Sache den Pfeffer. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Revanche 2010, dann in in Celtic Manor, Wales - und ab sofort steht auch wieder der Countdown in der e13-Seitenleiste, wie schon die letzten beiden Jahre!
Wednesday, 24. September 2008
21:50 Eurosport, US PGA Tour, Viking Classic
22:50 Eurosport, Golf Club
Die Aufholjagd der Europäer begann mit einer Überraschung: Sergio Garcia, Europas vielleicht bester, jedenfalls leidenschaftlichster Spieler, der beim Ryder Cup immer zu Hochform aufläuft, in seinen Vierermatches seit Jahren ungeschlagen ist und seine Gegner in Angst und Schrecken versetzt, wurde morgens im Vierer nicht eingesetzt. Captain Faldo ließ ihn auf der Bank, genau wie Ryder Cup Legende und Garcias Viererpartner Lee Westwood - eine Entscheidung, die in der wie üblich so sensationsgeilen wie kompetenzbefreiten Presse für einen Aufschrei beiderseits des Antlantiks sorgte: ”Are you nuts!?“ war die verständnislose Frage an Nick Faldo.
Nein, war er nicht - Garcia hatte am Freitag nicht wirklich geglänzt und stand unter Antibiotika, weshalb er selbst um eine kleine Auszeit für die Vormittags-Matches gebeten hatte. Und Westwood lief ebenfalls etwas neben der Spur, hatte außerdem große Blasen an den Füßen und vielleicht noch seine Mandelentzündung in den Knochen, jedenfalls spielte er Tags zuvor alles andere als ausgezeichnet. Faldos Entscheidung, ihn eine Runde aussetzen zu lassen um ihn für die so wichtigen Einzel am Sonntag zu schonen, war sicherlich nicht so falsch, wie sie auf den ersten Blick aussah.
Oliver Wilson, der letzte europäische Rookie, der sich aus eigener Kraft ins Team gespielt und dabei haarscharf an Martin Kaymer vorbeigezogen war, sah seinen ersten Einsatz am Samstag und feuerte aus allen Rohren: Im Vierer durfte er mit Henrik Stenson gegen das US-Dreamteam Phil Mickelson (Nummer 2 der Weltrangliste) und Rookie Anthony Kim antreten. Nach sechs Loch lagen die USA fast erwartungsgemäß bereits 4 auf – ein kaum aufzuholender Rückstand für die beiden Europäer, die zeitweise mitleidig als ”Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden” bezeichnet wurden.
Aber offenbar hatte jemand vergessen den beiden zu sagen, daß sie hier heute verlieren sollten: Sie spielten wie besessen und drehten das Match mit zusammengebissenen Zähnen Loch um Loch, bis sie am Ende mit 2 auf als Sieger vom Platz marschierten und einen so wichtigen Punkt für Europa holten. Das ist Lochwettspiel im Golf: Niemals aufgeben. Niemals! Und das macht den Ryder Cup so spannend - alles ist möglich, nichts steht geschrieben. Von Europas Kapitän Nick Faldo stammt eines meiner Lieblingszitate zu dieser Spielform: ”If I’m 4 down with 5 to play, it simply means I’ll win 1 up!”. Das ist die Einstellung, mit der man im Lochwettspiel gewinnt.
Am Ende des zweiten Tages steht es 9:7 für die USA, der Vorsprung ist auf 2 Punkte geschmolzen. Wenn heute ab 18h MEZ die Einzelkämpfe starten, muß Europa mindestens sieben Punkte holen, um die Trophäe wieder mit nach Hause zu bringen. Besser noch siebeneinhalb Punkte: Es braucht insgesamt 14 Punkte, den Cup zu verteidigen, aber 14 1/2 um ihn zu gewinnen.
Die Paarungen des Sonntags, Premiere überträgt live:
18:03: Anthony Kim (USA) vs. Sergio Garcia (EUR)
18:14: Hunter Mahan (USA) vs. Paul Casey (EUR)
18:25: Justin Leonard (USA) vs. Robert Karlsson (EUR)
18:36: Phil Mickelson (USA) vs. Justin Rose (EUR)
18:47: Kenny Perry (USA) vs. Henrik Stenson (EUR)
18:58: Boo Weekley (USA) vs. Oliver Wilson (EUR)
19:09: J.B. Holmes (USA) vs. Soren Hansen (EUR)
19:20: Jim Furyk (USA) vs. Miguel Angel Jimenez (EUR)
19:31: Stewart Cink (USA) vs. Graeme McDowell (EUR)
19:42: Steve Stricker (USA) vs. Ian Poulter (EUR)
19:53: Ben Curtis (USA) vs. Lee Westwood (EUR)
20:04: Chad Campbell vs. Padraig Harrington (EUR)
Das Erstaunlichste an diesem Tag war nicht, daß die Amerikaner deutlich führen (5 1/2 : 2 1/2), sondern wie sie führen: Die USA haben es nach diversen erfolglosen Anläufen tatsächlich geschafft, ein Team auf die Beine zu stellen. Und vielleicht ist ein entscheidender Faktor, daß Tiger Woods (verletzungsbedingt) nicht dabei ist. Seine Präsenz schüchtert tagein, tagaus die Mitspieler bei jedem Turnier dermaßen ein, daß sich niemand mehr einen Sieg zutraut, wenn er mitspielt. Diese Angst des Kaninchens vor der Schlange läßt sich nicht plötzlich alle zwei Jahre für 3 Tage beiseite legen, nur weil man jetzt mit ihm zusammen in einem Team spielt.
Ein zweiter entscheidender Faktor dürfte sein, daß die Amerikaner sechs Rookies (Neulinge) dabei haben, die erstmals beim Ryder Cup antreten. Die bringen frischen Wind, Selbstvertrauen von der Tour und die nötige Portion Frechheit mit, vor den großen Rydercup-Legenden der Europäer nicht in die Knie zu gehen. So sahen Europas Garcia und Westwood seltsam alt aus, und dem jungen US-Spieler Hunter Mahan (der vor seiner Nominierung hauptsächlich durch ein paar äußerst unglückliche in der Fachpresse geäußerte Bemerkungen über den Ryder Cup aufgefallen war) flogen nach frechem, sehr erfolgreichen und selbstbewußt-feurigem Spiel zu Recht die Herzen der Zuschauer zu.
Das US-Publikum verhält sich erfreulich sportlich; natürlich werden die eigenen Jungs deutlich lautstärker angefeuert als die Gäste, aber all in good, competitive spirit.
Heute um 14 Uhr unserer Zeit geht es weiter wie gestern: Erst die Vierer, dann die Vierballmatches. Mal schauen, ob bei den Europäern heute öfter mal ein Putt fällt; denn der Unterschied zwischen beiden Teams ist hauchdünn - wer besser puttet, wird gewinnen.
Heute fiel der Startschuss zu den ersten Matches im Ryder Cup 2008. Dank diverser Internetstreams konnte auch ich (ohne Premiere) live verfolgen, wie die Matches liefen. Auf zwei Streams gleichzeitig wurde der Cup geschaut und parallel mit den Golfjunkies e13kiki, heliumkiffer und kstenqnen getwittert.Das ist auf der einen Seite sehr witzig, aber auf der anderen Seite auch recht anstrengend. Aber es hat richtig Spaß gemacht. Mal schauen, wie es morgen Abend wird. Vorher sind wir aber noch auf einem der ältesten Golfplätze Deutschlands und spielen dort den offenen Herbstvierer.
Alle Berliner Golffans ohne Premiere-Abo müssen trotzdem nicht auf den Ryder Cup verzichten. Global Golf Berlin hat ein Public Viewing-Zelt eingerichtet, dort werden alle Matches des Ryder Cups übertragen, heute geht es um 14:00 Uhr los.
Für alle anderen gibt es unter http://www.channelsurfing.net/ zwei Livestreams.
Der Ryder Cup – das alle zwei Jahre abwechselnd in Europa und den USA stattfindende Duell der besten Europäer mit den besten US-Spielern – beginnt heute mit dem ersten Einspieltag für die Teams. Am Freitag, 14 Uhr MEZ wird es dann ernst: morgens die Vierball-, nachmittags die Vierer-Matches. Samstag das Gleiche noch einmal und dann am Sonntag die Einzelkämpfe.
Austragungsort ist der Valhalla GC in Kentucky, der soeben noch die letzten Ausläufer von Hurricane Gustav erdulden mußte.
Die Europäer sind nach den letzten zwei erdrutschartigen Siegen hintereinander klarer Favorit, zumal die USA auch auf den verletzten Tiger Woods verzichten müssen. Dennoch wird es sicherlich kein Selbstgänger, da der Heimvorteil sicher nicht zu unterschätzen ist und zwei Spieler des US-Teams sogar aus Kentucky stammen. Die werden sicher ohrenbetäubende Unterstützung bekommen. Auch sonst ist das US-Team sehr stark; für Europa treten einige Rookies an, Kapitän Nick Faldo hat auf den Einsatz erfahrener und erfolgreicher Spieler wie Colin Montgomerie oder Darren Clarke verzichtet und gibt lieber dem Nachwuchs eine Chance - eine Entscheidung, die ihm viel Flak der Fans eingebracht hat.
Das deutsche Golftalent Martin Kaymer hat sich selbst nicht qualifizieren können, aber Faldo hat ihn als Beobachter dazugebeten - eine große Ehre, die deutlich zeigt, daß er von Kaymer viel hält und davon ausgeht, daß dieser sich spätestens in zwei Jahren dann ins Team spielen wird.
Aktuelles zum Cup und dem Spielgeschehen gibt es hier zu lesen; Premiere überträgt live ab 14h am Freitag, ich werde mir die Matches wohl bei uns im Golfclub anschauen und ansonsten auf einen guten Livestream irgendwo im Netz hoffen.
Dann beginnt wieder mein absolutes golferisches Highlight. Der 37. Ryder Cup 2008 (Huch, die haben ja das Design der Seite geändert. Gefällt mir aber spontan gut).
Bildquelle: © rydercup.com/2008
Ich bin schon richtig gespannt und freue mich wahnsinnig auf die Golfübertragungen aus den Valhalla Golf Club und werde versuchen jede Minute zu sehen und zu geniessen.
Mein Tipp: Europa gewinnt. Reines Gefühl. Ich kann das jetzt nicht analytisch erklären.
(Leider ist der Rydercup das letzte Golf-Großereignis, dass ich bequem im Pay-TV sehen werde. Wie sich gezeigt hat, geniesst Golf bei Premiere meiner Meinung nach leider eher einen unverdient, niedrigen Stellenwert, der das viele Geld für mich nicht länger rechtfertigt, das ich jeden Monat an diese Ignoranten überweise.
Ich hoffe hier sehr auf das gewaltige Internet. Lösungen zum freien Golf schauen werde ich hier natürlich vorstellen. Für Hinweise bin ich immer dankbar.)
Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, muss ich sagen, dass eine sportliche Karriere nie wirklich stattgefunden hat. Die Versuche, meinen Körper in verschiedenen Disziplinen zu stählen, sind ziemlich schief gelaufen. Hauptproblem: die verdammte Schwerkraft auf diesem Planeten! Ob ich nun selbst hinfalle oder mein Golfball seinen Flug viel zu früh beendet – immer ist diese Schwerkraft im Spiel. Bei den Bundesjugendspielen konnte ich den Ball nie weit genug werfen und beim Dreisprung fiel ich schon nach zwei strauchelnden Hüpfern wie ein nasser Sack in den Sand. Ich erinnere mich an meinen ersten und einzigen Einsatz in unserer Fußballmannschaft (C-Jugend), als ich die kurze Ecke decken sollte. Ein großer Junge mit Beinen wie Baumstämme (und schon Haare dran!) bekam den Ball vor die Füße, worauf er den richtig fest aufs Tor schoss. Ich konnte mich gerade noch hinter den Pfosten retten, was mir die anderen übel nahmen. Jahre später, bei einem Tischtennismatch, hatte ich einen Kreislaufkollaps. Beim Schulboxen ging ich in der ersten Runde KO, beim Frisbee spielen habe ich mir den Arm ausgekugelt. Kurz gesagt: Ich war nie wirklich Sportler, vielleicht ein Grund, warum ich Golfer wurde.
Nach einem bewegten Jahr voller Abenteuer, die ich an diese Stelle ausführlich beschrieben habe, erreichte mich Ende August 2008 die Einladung zum ProAm der Mercedes Benz Championship durch die Gebrüder Langer. Diese Veranstaltung ist für Sportler, Geschäftleute, Prominente und alle, die sich dafür halten, gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres. Für nicht golfende Leser sei gesagt: Ein ProAm findet vor einem Profi-Turnier statt. Eine begrenzte Anzahl von Gästen, ausgewählt von Veranstalter und Sponsoren, spielen jeweils zu dritt mit einem Golf-Professional eine Runde Golf. Ein ProAm ist für die Amateure meist ein großer Nerventest und für die Spieler eine schwere Prüfung, der sie laut Vertrag nachkommen müssen. Manche Spieler sind im Umgang mit den Amateuren nett und umgänglich, während andere für ihre Verschlossenheit berüchtigt sind.Bei meiner Einladung konnte es sich nur um einen Irrtum handeln.
„Da muss ein Haken dran sein“, dachte ich mir, “warum sollten die mich einladen“? Um herauszufinden, welcher Azubi da etwas vermasselt hatte, bestätigte ich per Fax und erhielt prompt eine Rückantwort, aus der hervorging, dass ich am 10. September um 8 Uhr morgens abschlagen sollte. Die Anmeldung wäre ab 6 Uhr geöffnet. 6 Uhr! Aha – das war der Haken. Das würde bedeuten, dass ich vor 5 Uhr aufstehen müsste. Der Abschlag um 8 Uhr war keine Einladung, sondern versuchte Körperverletzung. Trotzdem: Irgendetwas, vermutlich der Gedanke an eine kostenlose, warme Mahlzeit mit Freigetränken, oder was uns Schreiberlingen sonst so durch den Kopf geht, ließ mich zubeißen. Ich hing am Haken.Die Woche vor dem Turnier fuhr ich zur Pressekonferenz, nach der die Journalisten den Platz spielen durften. Ich hatte zuerst Sorge, ob es mein alter Mondeo Kombi über das bergische Land schaffen würde, aber alles ging gut. Andere Kollegen hatten ganz andere Risiken (und Kosten) auf sich genommen, z.B. jene Redaktion, die mit einem älteren Jaguar aus München anreist war.
Es war ein schöner Haken, an dem wir hingen. Der Platz war in einem außerordentlich guten Zustand, was eigentlich nicht verwundert, wenn ein erweitertes Greenkeeper-Team wochenlang schuftet und der Dominator des deutschen Golfsports, Erwin Langer, die Dinge bis ins Detail selbst regelt. „Endlich mal wieder treue Grüns spielen“, dachte ich beglückt. Auf der Runde hatte ich keinerlei Yips und Herr Spyth, der Geschäftsführer vom Golfclub Lärchenhof sagte mir, dass ich mit 17 über Par (15 war hier meine Spielvorgabe) ein gutes Ergebnis erzielt hätte.
So fühlte es sich auch an. Es war ein herrlicher Tag. Der Wind kam wechselnd, und wie mir schien, immer aus der Richtung, die man brauchte, um einen langen Ball zu schlagen. Zwar versenkte ich ein oder zwei Bälle im Wasser, aber das war egal, denn die Grüns waren ein einziger Genuss. Sie waren so schnell und treu, wie man sie sich nur wünschen kann. Mein Mitspieler Heiner, mit dem ich über meine Probleme beim Putten sprach, zeigte mir den Flamingo-Putt-Stil. Den kannte ich wirklich noch nicht. Kurz und gut: es war eine genussvolle Runde auf einem echten Golfplatz. Mein Entschluss, eine Woche später beim ProAm zu starten, stand fest.
Ich hatte mittlerweile erfahren, dass das ProAm in zwei Gruppen aufgeteilt wurde. So viele Personen waren zu berücksichtigen, die man einladen wollte oder musste, dass man das nicht mit einem Turnier geschafft hätte.Boris Becker sagte später in einem Interview, dass er zu seiner Zeit kein Major gewonnen hätte, wenn die großen Finals um 8 Uhr morgens begonnen hätten. Dem kann ich nur zustimmen. Meine mäßige Performance bei unseren Tigerzählspielen (die sonntags um 8 Uhr beginnen) hängt unter Anderem damit zusammen, dass ich um diese Zeit noch auf Standby-Modus geschaltet bin.
Also trainierte ich in der Woche vor dem ProAm zwei Dinge: Möglichst wenig Golf spielen und jeden Tag etwas früher aufzustehen. Die letzten Tage verbrachte ich in Trance. Ich war nicht nur mehrfach um 6 Uhr von alleine wacht geworden, sondern bin tatsächlich aufgestanden! Zur Mittagszeit war ich dann zwar zu nichts mehr zu gebrauchen, aber um diese Zeit wäre das Turnier nach meinen Berechnungen beendet und man konnte den Biorechner runterfahren. Am Abend vor dem Turnier fuhr ich nach Köln, um eine Veranstaltung der 2. Rheingolf Clubcard Lounge zu besuchen. Als ich am Radisson SAS Hotel Köln eintraf, stiegen gerade Fred Couples und Daniel Chopra aus ihrem Sponsoren Shuttle. An der Bar des offiziellen Spielerhotel hingen schon einige Spieler herum, aber es ging sehr zivil zu, und nicht so, wie zu Sam Torrance Zeiten. Wenige Tage zuvor hatte ich eine DVD-Box mit den letzten drei Ryder Cup Matches erhalten. Besonders Darren Clarks Performance (und seine Tränen) hatten mich zutiefst bewegt. Da saß er nun, nett und freundlich und nippte an seinem Drink. Die Abendveranstaltung von Michael Jakoby war so exklusiv wie informativ, aber ich konnte nicht lange bleiben, da ich meinen strikten Zeitplan einhalten musste.
Irgendwie gelang es mir, einzuschlafen, aber als der Wecker piepte, war ich todmüde. Ich versuchte, mein Stretching-Programm durchzuführen, frühstückte und fuhr los. Es war kein Stau auf der Zoobrücke, aber es waren auch schon andere Menschen um diese unchristliche Zeit unterwegs.
Der Golfclub Gut Lärchenhof bei Pulheim liegt auf dem freien Feld zwischen den Rübenäckern des rheinischen Landadels. In der Ferne weht die Rauchfahne eines Kraftwerkes. Auf den 1. Blick nicht unbedingt die ideale Adresse, aber nur auf den ersten Blick. Denn wenn man den Platz erreicht hat, für dessen Design niemand geringerer als der heilige Jack Nicklaus verantwortlich zeichnet, verwandelt sich die dröge Agrarsteppe in eine der zauberhaftesten Golf-Landschaften, die Sie hierzulande finden werden. Umgrenzt von potjemkinschen Waldstreifen wird der paradiesische Golfclub Gut Lärchenhof zu jener Bühne, auf der die großen Golfer unserer Tage ihre Erfolge feiern und wir Komparsen einen kurzen Moment des Glücks genießen dürfen. Dieser Moment kam für mich, als ich um kurz nach 6 Uhr vor dem flutlichtbestrahlten Putting Grün stand. Im Glanz der Scheinwerfer erschien mir die Fläche wie ein riesiger Kunstrasen. Das Grün war mittlerweile so perfekt und ebenmäßig, dass ich zögerte, den Rasen zu betreten. Offensichtlich war ich der einzige Bekloppte, der um diese Zeit putten wollte. Der Roll der Bälle war perfekt. Es würde mir an diesem Tag vollkommen egal sein, wie viele Putts ich bräuchte, denn jeder Putt versprach reinen Genuss. Dabei war es keinesfalls so, dass man nicht hätte einlochen können. Die Grüns waren absolut treu und wenn „line und pace“ korrekt gespielt wurden, fiel der Ball. Meinen Mitspieler Rainer Goldrian von der PGA of Germany hatte ich bereits früher kennen und schätzen gelernt. Der Journalist Dieter Koditek ist ein vertrautes Gesicht auf großen Golfturnieren. Beide Herren sind mit dem trockenen Humor gesegnet, den man auf einer Runde mit mir gut gebrauchen kann.
Unser Pro Gonzalo Fernadez-Castano, so die einhellige Meinung, ist der freundlichste und hilfsbereiteste Spieler, den man in einem ProAm erwischen kann. Gonzalo hatte 2007 die Italian Open gewonnen, aber 2008 war für ihn bisher nicht optimal gelaufen. Mit unserem ProAm-Team hatte er das große Los gezogen, denn er konnte auf einer Runde gleich von drei Experten lernen. Dieter ist ein absoluter Crack für das Spiel aus dem tiefen Rough, Rainer schlägt einen exzellenten „blocked pushed punch“ wie ihn sonst nur Tiger Woods beherrscht und meine Fähigkeiten als Scoreflüsterer und Puttexperte dürften allgemein bekannt sein. Gonzalos schottischer Caddie Jeff ist ein Urgestein der European Tour, der nicht mit trockenen Kommentaren geizte. Mich durchschaute er sofort.
Am 3. Abschlag begann unsere Runde. Ich werde es nicht wagen, meine Leser mit der Beschreibung einer Golfrunde zu langweilen, aber soviel sei gesagt: Wir waren ein gutes Team. Gonzalo spielte auf den ersten drei Bahnen drei Birdies. Wenn er schwächelte und „nur“ Par spielte, konnte einer von uns punkten. Auf der 6. Bahn spielte Gonzalo seinen einzigen Bogey auf dieser Runde. Ich lieferte meinen Beitrag mit Pars auf der 5. und auf der 8. Bahn. Vom 9. Tee schlug ich einen schönen Tuntenfade. In der Ferne sahen wir die Zuschauer, die sich am 9. Grün versammelt hatten und uns (?) entgegenfieberten. Mit der mir eigenen Nervenstärke zog ich mein Hybrid durch und der Ball flog aufs Grün. Zwei Putts – Par, was für das Team einen Birdie bedeutete, denn ich hatte auf der 9 einen Schlag vor. Gonzalo spielte ebenfalls Par.Am Abschlag der 10. Bahn schlug Gonzalo einen herrlichen Drive bis kurz vor Leverkusen. Dann war ich dran. Etliche Leute standen herum. Ich sagte ziemlich laut:
„Könnten Sie sich alle mal umdrehen, ich bin der Amateur und habe Nerven!“
Leider hörten das auch jene Leute, die zum 9. Grün ausgerichtet standen. Sie drehten sich um.
„Nein, ich meine, alle in die andere Richtung schauen!“
Die Zuschauer lachten. Das fanden sie lustig. Jetzt schauten alle her. Mein Drive wurde ein doofer Slice, der im Rough landete. Mein erster richtig vermasselter Abschlag an diesem Tag. Gonzalo fand meinen Ball. Es wurde ein unnötiger Doppelbogey, aber das sind die Momente, wo jeweils ein anderer aus dem Team hervortrat, um sein Feuerwerk abzubrennen. Trotzdem: Ich spürte, dass irgendetwas anders war, als noch Momente zuvor. Es lag in der Luft. Ich wollte meine Mitspieler nicht verunsichern, aber ich fühlte, dass CERN in Genf damit begonnen hatte, Photonenstrahlen durch den neuen Beschleuniger zu schicken.
Als ich in meiner Jugend das erste Perry Rhodan Romane gelesen hatte, wusste ich, dass ich eigentlich dazu bestimmt war, Rhodans Mutantencorps anzugehören. Meine Hypersensibilität wurde in der Schule jedoch nicht erkannt. Ich galt als Zappelphilipp, weil niemand begriff, welche vielfältigen galaktischen Einflüsse auf mich einprasselten, denen ich auch auf meinem Sitzplatz hinter der Schulbank ständig ausweichen musste. Ich ahnte, dass heute mehr in der Luft lag, als der tägliche Sack Reis, der irgendwo umfiel und mir einen Putt verriss. Nein, an diesem Tag war es schlimmer. Obwohl der Tübinger Professor Rössler die Welt gewarnt hatte, wurde der Versuch vom CERN gestartet. In den Nachrichten hat man die Kritiker dieses Experimentes als Spinner abgetan, aber mal ehrlich: Wem würden Sie mehr glauben? Einer Gruppe von Wissenschaftlern, die gerade mal ein paar Milliarden versenkt hat und Nägel kauend hofft, dass alles gut wird – oder einem Tübinger Professor, der ausschaut, wie Zacharias Zotch, der Bestattungsunternehmer aus den Lucky Luke Heftchen?
Seit bekannt ist, wie es im Atommüll-Lager Asse und auf den Gentechnik-Versuchsfeldern der Uni Gießen zugeht, wissen wir, was wir von Sicherheitsexperten, wissenschaftlichen Gutachten und der „mehrheitlichen Meinung bekannter Forscher und Wissenschaftler“ zu halten haben: Nichts! Professor Otto Rössler, wie ich Birkenstocksandalen-Träger, hat die schwarzen Löcher errechnet, die uns alle verschlingen werden, auch wenn sie anfangs sehr klein sein werden, wie er betonte. Ich fühlte, was auf uns zukam.
Wir waren mittlerweile auf dem 11. Grün angekommen, als Gonzalo zu einem schicken Birdie einlochte. Ab der 12. Bahn begannen die Bälle meiner Mitspieler plötzlich und wechselweise zu verschwinden. Wir liefen im Rough herum und suchten, obwohl mir natürlich klar war, was ablief. Aber ich schwieg. Ich spürte das dunkle Drama von CERN näher kommen.Auf der 13. Bahn schaute ich in den Himmel, visualisierte meinen Zielpunkt und schlug ab. Im letzten Moment spürte ich, wie ein kleines, schwarzes Loch auf mich zuschoss. Ähnlich musste es Rainer gegangen sein, der auch schon mit mehreren Drives, vermutlich aufgrund einer unbewussten Ahnung, nach rechts ausgewichen war. Also schlug ich im letzten Moment einen Goldrian-Punch und der Ball sauste nach rechts. Er wurde zum Glück nicht vom schwarzen Loch verschluckt, dafür aber vom Rough. Dem schwarzen Loch immer wieder ausweichend, spielte ich mich Zick Zack voran und schoss eine selbstmörderische 9.
Gonzalo hatte kein Problem mit schwarzen Löchern, da sein Ball so schnell ist, dass er sofort nach dem Schlag aus dem einsteinschen Raum verschwindet und sich erst wieder aus dem Hyperraum materialisiert, wenn er sein Zielgebiet erreicht hat. Die 475 Meter lange 13. Bahn erledigte er mit einem Holz 3 und einem geschmeidigen Eisen 5. Den Putt zum Eagle verpasste er nur knapp. Ab der 15. Bahn begleitete uns Thorsten Gideon als persönlicher Coach von R. Goldrian. Wir Amateure beschlossen, das 15. Grün (Par 3) strategisch geschickt zu umspielen. Damit war die gesamte Fläche für Gonzalo frei, der das Grün traf und zu seinem 7. Birdie einlochte. Das nenne ich Teamgeist!
Auf der 17. erwischten die schwarzen Löcher zuerst Dieter und fraßen seinen Ball, der verschollen blieb. Dann machte sich ein schwarzes Loch auf dem 17. Grün breit, worauf mein perfekt gezirkeltes Eisen 7 an der Photonenstrahlung abprallte und in den Teich rollte. „Quarks“, sagte ein Frosch, gerade als ich meinen Drop mit einem Quanten-Lob einlochen wollte. So wurde es ein Doppelbogey.
Als wir auf der nächsten Bahn abschlugen, war es Mittag und einige Leute hatten sich um das 18. Grün und auf den Tribünen geschart. Ich holte tief Luft und mein zweiter Schlag nach einem guten Drive flog ca. 20 Meter vor das Grün. Mein Chip war etwas zu zaghaft, der Putt lief knapp vorbei. Der gelochte Rückputt von ca. 1,20 Metern vor dieser Kulisse wird in meine Annalen eingehen.
Aber wir waren noch nicht fertig. Bahn 1 und 2 standen uns noch bevor. Auf der zweiten Hälfte der Runde hatte auch bei meinen Kollegen die Kraft nachgelassen. Dieter im Rough demonstrierte nach wie vor Zaubertricks, aber wir glänzten nicht mehr. Wir fühlten uns ausgebrannt von dem ständigen Photonensturm. Auch Gonzalo konnte nur noch Pars spielen. Auf unserer letzten Bahn (2.) hatte ich einen korrekten Drive, verzog meinen 2. Schlag jedoch auf eine kleine Anhöhe rechts vom Grün. Von dort aus waren es etwa 30 Meter zur Fahne, genug Platz, um mit einem hohen, weichen Lob anzugeben. Ich sprach den Ball an, die Kollegen standen um das Grün herum und warteten. Plötzlich spürte ich ein schwarzes Loch, das sich mit relativer Lichtgeschwindigkeit näherte. Relativ deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass sich die schwarzen Löcher aus der Schweiz irgendwie langsamer bewegen, höchstens mit halber Lichtgeschwindigkeit. Etwas gemächlicher, aber immer noch schnell genug, um meine Kameraden auf dem Grün zu verschlingen.
Ich hatte keine Wahl: Ich holte aus, schlug fest zu, traf den Ball mittig und die weiße Kugel verschwand in dem schwarzen Loch, das sich schmatzend zurückzog. Der Ball war futsch. Alles war in Millisekunden geschehen und meine Mitspieler schwiegen betroffen. Ich ließ sie in dem Glauben, dass ich den Ball unauffindbar über das Grün ins Aus getoppt hätte. Ich war froh, dass sie noch lebten. Wir gaben uns die Hand. Eine spannende Runde war glücklich beendet und welche kosmischen Dramen sich tatsächlich abgespielt hatten, ist den meisten Teilnehmern dieses Turniers, trotz vieler verlorener Bälle, verborgen geblieben.
Gonzalos Runde war die erste 66, die ich life erleben durfte. Bei der Siegerehrung wurden wir mit unserem Gesamtscore von 60 aufgerufen. Wir hatten einen 5. Platz nach Stechen, Platz 3 und 4 hatten ebenfalls 60 Schläge, Platz 1 (Langer, Becker, Häkinnen, Göttgens) und Platz 2 hatten 58 Schläge gebraucht. Da standen wir nun auf der Tribüne. Bernhard und Erwin Langer sowie Dr. Olaf Göttgens von Mercedes Benz drückten uns die Hand. Jeder bekam einen Mercedes Benz Sportwagen geschenkt und etwas Glas, für die Vitrine.
Meine bisherige sportliche Karriere flackerte wie ein Film an mir vorbei: Der Tag, als ich bei Fahrtenschimmer fast ertrank; der 3000 Meterlauf zum Sportabitur, bei dem ich so langsam war, dass ich eine weniger Runde lief, als die anderen, (was niemand auffiel); mein Absturz von einem Berg bei Luzern … und jetzt … im gesetzten Alter, 50 Wochen vor dem Weltuntergang, dieser sportliche Triumph: ein 5. Platz in der Teamwertung!
Dieser Sieg bedeutete mir vielleicht sogar noch mehr, als der Pfefferstreuer, den ich im Vorjahr (mit Christiane G. als Team) für das 1. Netto der Klasse C entgegen nehmen durfte. Ich schaute von der Bühne herab, sah wie Becker, Häkkinen, Steeb, Jehlen, Golf-Legenden, Major-Sieger, Ryder Cup-Heroen und all die anderen Turnierteilnehmer höflich klatschten. Eine späte Genugtuung erfüllte mich. Ich schaute Bernhard Langer an. Da standen wir beide mit unseren Bandscheibenschäden, unserem Yips und unseren jeweiligen Erinnerungen. Seit unserer letzten Begegnung hatten sich die Furchen in seinem Gesicht tiefer gegraben, aber er war immer noch fit wie ein Turnschuh. Ich dagegen, mit den rosigen Backen eines Stresshypertonikers, war grau geworden. Bernhard lächelte.
Wir machten die Bühne frei und schlängelten uns zurück zu unserem Tisch, um den anderen Gewinnern zu huldigen. Das Süppchen mit Belugalinsen mit Speckschaum und gebratenem Seeteufelspieß war bereits abgeräumt. Nach den Medallions vom geräucherten Milchkalb auf Gemüsemarmelade, Naturjus und Kartoffel-Karpfen entspannte ich mich etwas und als ich später in die transzendente Frische meines karamellisierten Weinbergpfirsichs mit Cremeeis von Marc de Champagne eintauchte, waren alle Sorgen über schwarze Löcher verschwunden. Im Gegenteil: Wenn schwarze Löcher die Erde (und somit uns alle) schrumpfen lassen, dann würde ich irgendwann in den Mercedes Benz Sportwagen passen, den ich gerade erhalten hatte. Ich betrachtete das Modellauto, das unter dem Tisch stand. Noch 50 Wochen. Ob mein treuer, alter Mondeo bis dahin durchhalten wird? P.S. Gonzalo schoss – ohne uns – am nächsten Tag eine 80, was zeigt, welchen Einfluss unser Experten-Team auf sein Spiel hatte. Am Freitag schienen einige unserer Tipps bei ihm durchgesickert zu sein und er spielte die beste Runde des Tages, eine 66! Er beendete das Turnier mit einem ordentlichen 25. Platz. Na also – geht doch!
PPS. Hier sind noch ein paar Bilder. Da das mein erstes Picasa-Webalbum ist, sind die Bilder nicht ganz in der Reihenfolge der Geschichte, aber wen interessiert das schon…
Wednesday, 17. September 2008
23:00 Eurosport, European Tour, Mercedes-Benz Championship
23:30 Eurosport, Golf Club