Ich bin nicht mehr der Allwettergolfer, der ich einst war. Noch im Vorjahr tappte ich mit Eisfüßen, roten Backen und Schlammspritzern auf der Brille über neblige, nasse Fairways und war glücklich, wenn ich 18 Loch in wenig mehr als zwei Stunden spielen konnte, was voraussetzte, dass niemand vor mir versuchte „Golf zu spielen“, also bei absolut unwirtlichen Konditionen einen Score zu erzwingen, der schon im Sommer unrealistisch wäre. Es gibt da ja so Kandidaten, die auf einem vereisten, von gefrorenen Regenwurmhaufen übersäten, schrägen Wintergrün versuchen, die Puttlinie zu lesen. Seit jenem Erlebnis mit „Kasper“ das ich in Golf Gaga beschreibe, spiele ich nicht mehr so schnell, gehe vom Platz, wenn mir kalt ist und bei trübem Novemberwetter mit kalten Wind lese ich ein lieber ein Buch. Sie haben richtig gelesen. Ich lese Bücher! Nicht unbedingt Golfbücher, aber auch, obwohl meine Rezension von John Daly´s Autobiografie leider immer noch nicht erschienen ist. Aber warum soll ich mich verrückt machen, wenn nicht mal die SZ-Beilage irgendwelche Buchbesprechungen bringt, von den Anzeigenblättchen mit PR-Redaktionsteil gar nicht zu reden.
Leser, die meine Schlechtwetter-Kolumnen schon öfter ertragen mussten, könnten jetzt befürchten, dass ich mich wieder durch die Hintertür zu einem Rezensenten-Bashing schleiche, wie seinerzeit, als ich mich durch die mäßige Resonanz der Fachmagazine auf den „Weg der weißen Kugel“ ignoriert fühlte.
Nein – überhaupt nicht. Im Nachhinein weiß ich, dass ich reichlich und gute Presse hatte, selbst wenn jeder nur vom anderen abschrieb, von einigen rühmlichen Ausnahmen absehen (wie Frau Dr. Jürgens von Golf Style International, die es sich nicht nehmen lässt, Golfbücher tatsächlich noch zu lesen, um sie zu besprechen). Ich habe durchaus erkannt, dass Golfbücher nicht über Golfmagazine bekannt gemacht werden, Golfbücher (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht im Golffachhandel verkauft werden, abgesehen davon, dass die wenigsten „Fachleute“ der Golfszene bereit sind, sich mit der aktuellen Golfliteratur bzw. Fachliteratur zu befassen.
Das hängt nicht zuletzt mit den, von mir schon mehrfach beobachteten und beschriebenen, verschiedenen Golfwelten zusammen, die offensichtlich nur wenige Schnittstellen haben. Selbst die „offizielle“ Golfszene der Golfvereine, Verbände und Funktionäre scheint untereinander auf vollkommen verschiedenen Wahrnehmungsebenen zu agieren und zu kommunizieren bzw. nicht zu kommunizieren, wie man immer öfter merkt. Veraltete Strukturen möchten jene aufbrechen, die dem Golfsport noch mehr Professionalität und Kommerz wünschen. Das wiederum kollidiert mit den Interessen einer immer größer werden Golfgemeinde, die das ursprüngliche Spiel, dessen Ergebnis NICHT von Sponsoren oder Computern diktiert wird, bevorzugen würden. Diese Gruppe wäre eigentlich in einem Boot mit den Traditions-Clubs zu sehen, die aber wiederum von Verbandsobristen beherrscht werden, die mit einem fragwürdigen Begriff von „modernem Golfsport“ die falschen Weichen stellen. Und das gesamte Golf-Establishment ist wiederum, von wenigen Ausnahmen abgesehen, meilenweit von den Diskussionen und Themen entfernt, die in den Foren und Blogs durchdacht und kommuniziert werden. Diese Foren und Blogs mit ihren Diskussionen und Themen sind wiederum den Golfzeitschriften unbekannt, in denen offensichtlich nur Golf-Websites besprochen werden, die eine kommerzielle Beziehung zum jeweiligen Verlag haben. Diese (gedruckten) Golf-Zeitschriften lassen ihre Werbe-Kunden immer noch glauben, dass ihre Anzeige in der „Golfszene“ beachtet wird. Dabei kenne ich kaum einen Golfer, der schon eine weile dabei ist und noch Golfzeitschriften liest, weil es kaum etwas zu lesen gibt, als die ewiggleichen PR-Themen.
Werbekunden wollen immer noch nicht zur Kenntnis nehmen, dass Golf-Websites, Foren, teilweise sogar Blogs ein Vielfaches an Zielgruppenkontakten haben. Dabei sind die Klick-Zahlen, verglichen mit anderen großen Sport-Portalen, lächerlich. Trotzdem darf man bei der Zielgruppe Golfer nicht den Fehler machen in Quantität zu denken. Golfportale haben keine Massen von Besuchern – die Mediadaten von golf.de lassen wir mal schön außen vor, denn die Zahlen, die da genannt werden beruhen offensichtlich auf dem gesamten Internet- und Intranetverkehr von DGV und Co.
Das Golfforum legt hin und wieder die Zahlen auf den Tisch, vom Spicygolfforum weiß ich es nicht, aber ich schätze mal, dass diese beiden (fast) werbefreien Plattformen zusammen mehr golfinteressierte Besucher haben, als alle Golfzeitschriften zusammen.
Cybergolf hat kontinuierlich ca. zehntausend Besucher im Monat und entsprechende Seitenaufrufe. Ich verfolge das jedoch nicht genau, weil ich meinen Kunden gegenüber nicht mit Klickzahlen argumentiere, sondern mit Profil und Qualität. Außerdem will ich keine Werbeaktionen, Popups, den ganzen Dreck der fiesen Werbemittel, die ich auf anderen Seiten hasse.
Die vollkommen verschiedenen Golfwelten sind an sich OK. Mein Problem besteht darin, dass einige die Regeln dafür aufstellen dürfen, wie wir alle zu spielen haben, sofern wir uns im Turnier messen wollen.
Zum Beispiel darf ich meinen Titleist-Driver bald nicht mehr nutzen. Wer meinen Schwung kennt, weiß, dass ich von jedwedem Trampolineffekt weiter weg bin, als ein bellender Hund vom Mond. Natürlich habe ich auch einen „legalen“ Cobra-Driver, gottlob meine Persimmon-Driver und andere Driver. Aber es geht mir ums Prinzip. Ich habe mir schon überlegt, ob man nicht so eine Aktion starte sollte, wie damals ich Stern: „Ich habe abgetrieben“? GolferInnen bekennen: Ich spiele illegal! Wer würde da mitmachen? Golf Punk vielleicht, deren Klientel der neue, befreite Golfer ist, der sich nicht mehr unbedingt an Fairways gebunden fühlt, geschweige denn an Clubs. Aber wer würde sich noch trauen?
Es wird dahin kommen, dass Golf-Traditionalisten ihre eigenen Turniere ausrichten, Zählspiele gegen Par und einen Platz, so wie er ist. Andere können gerne ihre 6-Loch-Business-Turniere spielen, die gerade angedacht werden. Soll jeder nach seiner Facon glücklich werden und je schneller diese Leute wieder bei ihrem Pro Secco stehen und “Geschäfte” machen, um so lieber ist mir das….grummel …
Na gut, zurück zu den Büchern: Ich wollte mich eigentlich bei jenen Lesern bedanken, die sich auf Amazon so nett über Golf Gaga geäußert haben. Vielen Dank! OK - Golf Gaga ist im zweiten Teil ein bisschen kitschig, aber viele meiner Leserinnen haben ein Tränchen verdrückt, wie sie mir schrieben. Schließlich ist es nicht nur ein Manifest gegen die Golfsucht, sondern auch ein (kleiner) Liebesroman. Das ditte Buch der Weg-Triologie wird, sofern es irgendwann kommt, „Grötschmanns Rache – ein anarchistischer Golfroman“ heißen. Deshalb sichte ich seit Tagen die Spuren meiner anarchistischen Wanderjahre, indem ich Hunderte von Bildern sichte, Ordner wälze, Korrespondenzen aus der Zeit lese, bevor es eMails gab und mir alte Texte durchsehe.
Die 60ger Jahre sind derzeit ein großes Thema, mit dem sich die Medien befassen und da ich in dieser Zeit schon gelebt und agiert habe, wurde ich um Textbeiträge gefragt, die wahrlich nichts mit Golf zu tun haben, aber in den letzten Wochen in Büchern erschienen sind, die ich dann selbst verschlungen habe. Es ist wirklich interessant zu sehen, was aus den Weggefährten und Zeitgenossen geworden ist, die nicht den Golf-Weg der saturierten Dekadenz eingeschlagen haben, sondern den Marsch durch die Instanzen gegangen sind …um Außenminister oder Schlimmeres zu werden.
Gate Gate
so gegangen
vermeidet der Weise
jedes Stecken im Stau…
Oi-Gen
* querFalk
Hrsg: Caroline Hartge/Ralf Zühlke
Buch über eine Zeitschrift
Dokumentation der Literaturzeitschrift
FALK (1984-1986)
ISBN 978-3-929375-81-7
* 140 S. * 17.- Euro
ALLES SCHIEN MÖGLICH
60 Sechziger über die 60er Jahre und was aus Ihnen wurde
Der Grüne Zweig 252
ISBN 978-3-922708-52-0 | € 19,68 |
252 Seiten im Großformat 20 x 20 cm. 60 Fotos