Monatsarchiv für August 2007

 
 

Deutsche Golf-Betriebssportmeisterschaft

Veröffentlicht am 30. August 2007 • 0 Kommentare

Uhhhh, was klingt das groß … hört sich kompliziert an, isses aber nicht.
Wie ich vor meinem Urlaub berichtet habe, konnte ich mich über eine gelungene Qualifikation zur Deutschen Golfmeisterschaft der Betriebsportler freuen. Austragungsort waren die Platze des Gut Heckenhof und Schloß Miel und ich ging für unsere BSG Business’N'Golf in der HCP-Klasse D (26 - 36) an den Start.

Aber nochmal von vorn. Am Anfang stand für mich die Frage, wie ich am besten nach Köln gelangen sollte. Ich entschied mich fürs Fliegen und war - als Vielflieger kaum zu glauben - total nervös, weil ich die ganze Zeit Angst um meinen Driverkopf im Bauch des Flugzeugs hatte. Aber es ging alles gut. Und angekommen in Köln/Bonn dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich im Mietwagen saßen. Da im Vorfeld alle Hotelzimmer in der Nähe der Plätze ausgebucht waren (und ich mit meiner wundervollen, aber nichtgolfenden Frau unterwegs war), entschieden wir uns für das Le Meridien am Kölner Dom. Nachdem wir drei mal um den Domplatz gefahren sind (gefühlte zwei Stunden), konnten wir endlich einchecken … und der Ausblick auf den Kölner Dom machte vieles wett. Leider war es auch schon mächtig spät. Und als wir im Gut Heckenhof bei Eitorf zum Come Together eintrafen, räumten die Kellner gerade die letzten Teller in die Küche. Also wieder zurück nach Köln.

Am nächsten Morgen hiess es BANZAI. Ich hatte meine Startzeit in Heckenhof um 11.44 Uhr. Die Klassen A und B spielten ihren ersten Finaltag auf dem Platz Schloß Miel. Gemeinsam mit Regina und Falk ging es los. Mein erster Drive flog zu hoch (und damit auch nicht besonders weit), lag aber gut am rechten Fairwayrand. Ich hatte mir im Vorfeld einen Gameplan für das erste Loch überlegt und wollte souverän und ohne Hektik den zweiten vorlegen und mit dem dritten aufs Grün. So die Theorie. Also legte ich den zweiten vor und hatte noch ein Wedge ins Grün. Einmal getoppt, zwei mal getoppt, mit dem fünften an den Grünrand, ein langer Putt zu kurz gelassen, den nächsten nicht gemacht und schwupdiwups der erste Strich … Scheiss Gameplan.

Die ersten Neun waren durchwachsen, fühlten sich aber besser an, als die Scorekarte schwarz auf weiss zeigte … gut für meine Psyche. Auf den zweiten Neun spielte ich konstanter und holte mir u.a. durch zwei Pars und drei Bogeys 25 Nettopunkte, so dass ich am Abend mit 41 Points als geteilter 2. meiner Klasse feststand.

Am zweiten Tag startete ich mit der Führenden in meiner Klasse auf dem Platz Schloß Miel. Enger als Heckenhof, mehr Wasser als Heckenhof - und ein wunderschönes Loch 9, ein Par 3 mit Wasserfontäne und Sonnenblumenfeld.

Ich startete also mit einem tollen Drive und einem Strich ins Turnier (ich sollte mir angewöhnen, etwas früher am Platz zu sein und mehr zu üben). Dank zweier Pars und einigen Patzern meiner Mitspielerin konnte ich mich leicht in Führung setzen. Auf den zweiten Neun kam dann das Tal der Tränen. Striche auf den Löchern 12, 13, 14 und 17 holt keiner mehr raus. Ich war alle, etwas enttäuscht, aber auch happy, zwei aufregende Tage überstanden zu haben. Am Ende war es dann der geteilte 6. in der Klasse und der geteilte 24. Gesamtnetto.

Der Deutsche Meister gewann übrigens mit 66 Bruttopunkten … Rrrrrrrrespekt !

... geschafft …


Österreich

Veröffentlicht am 30. August 2007 • 0 Kommentare

Für einen, der vom Meer kommt (nein, nicht die Nordsee, sondern die Adria) ist es manchmal schon schwierig, die eigene Psyche zu verstehen. Da hat man des Meer in den Genen und verliebt sich in die Berge … naja, die Wege des Herrn sind ja bekanntermaßen unergründlich.

Aber egal, diese Liebe zu Österreich trieb mich auch um, als ich vor der Aufgabe stand, mit einer Vorlaufzeit von gerademal drei Wochen eine adäquate Ferienbleibe in der Hochsaison zu finden. All meine Unschuldsbekundungen (der Job machte eine bessere Planung nicht möglich) gingen ungehört durchs Hirn meiner Frau und so machte ich mich auf die Suche. Und da wir Drei (mein Sohn ist vier, er sagt fast fünf) keine Lust auf einen überteuerte Ölsardinenurlaub hatten, kam Kärnten schnell als Ziel in Frage. Durch ein wenig Geschick und mächtig viel Glück bin ich dabei auf das Landhotel Moerisch gestossen. Familiär geführt und mit einem Haubenkoch ausgesattet, las sich die Beschreibung sehr gut, zumal noch ein Zimmer mit separatem Kinderzimmer verfügbar schien. Ganz nebenbei fiel mir auch auf, dass das Hotel direkt am Golfplatz des GC Millstätter See liegt - wie gesagt, ganz nebenbei.

Das Zimmer war unkompliziert und mit tollem freundlichen Service gebucht und zum ersten mal nahm ich meine Golfschläger mit auf Reisen. Nach einem Zwischenstopp in meiner Münchner Wohnung kamen wir gutgelaunt am Millstätter See an und waren sofort begeistert. Vom Balkon hatte ich Blick auf die 13. Bahn des Millstätter Kurses und mein Herz hüpfte vor Freude.

Nach der Startzeitenreservierung durch das Hotel fand ich mich für meine erste Runde auf dem Millstätter Platz am Tee 1 ein und traf dort Familie Schmidt am Abschlag, die ebenfalls im Moerisch wohnte (wir erkannten uns natürlich, denn das Hotel hat nur 40 Zimmer). Gemeinsam mit Ralph, Susanne und Sohnemann Jonas (mit einem beachtlichen Drive für seine 13 Jahre) ging es dann auf die 18 Löcher und ich kann sagen, dass ich mit den Dreien einen fantastischen Flight gefunden habe, der sich während des Urlaubs immer wiederfand, schon allein deshalb, weil Ralph ebenso golfverrückt ist wie ich (an dieser Stelle ein herzlicher Gruß!).

Neben der superangenehmen und lockeren Atmosphäre, profitierte ich auch besonders von der Platzkenntnis der drei Mannheimer. Auf einem Hochplateu über dem Millstätter See gelegen, ziehen sich die ersten Neun wie ein Schmuggelpfad hoch und runter und links und rechts durchs Gelände. Wunderschön in die Natur eingebettet, ist man hier mit einigen blinden und kniffligen Schlägen konfrontiert. Nicht umsonst gastiert hier auch die European Challenge Tour … und einfach kann ja jeder ;-)

Zum Beispiel die vierte Bahn. Das Handicap-1-Loch erfordert einen präzisen Drive ins Dogleg. Solltet ihr versuchen, die Bahn links wie auf der Graphik abzukürzen - vergesst es, denn der Berg ist im Weg. Rechts lauert dichter Märchenwald und das Fairway ist schön schmal. Der zweite Schlag geht dann blind über eine Kuppe. Und wer hier allein unterwegs ist, kann schon mal locker den Ball im Wasserhindernis oder sonstwo verlieren - man sieht ja nicht, wo er hinfliegt :-)

Oder die Sieben - bergauf über eine Schlucht, um dann das Grün anzugreifen, welches direkt vor einer Felswand liegt … einfach schön.

Durch das Kraxeln am Berg musste die Pumpe ordentlich arbeiten; und Golf ist definitiv ein Sport, sofern man kein Elektrocart benutzt. Aber wir sollten uns wieder erholen, denn die zweiten Neun unterscheiden sich sehr vom Bergprofil der ersten Halbrunde. Die zweite Kurshälfte ist flacher und es kommt, bis auf Loch 12, immer Wasser ins Spiel. Vielleicht ist mir hier auch deshalb ein Birdie gelungen :-)

Ursprünglich hatte ich vor, auch die Plätze in Bad Kleinkirchheim und St. Michael im Lungau zu spielen. Aber der Millstätter Course ist landschaftlich dermaßen schön, dass ich gar keinen Bock hatte, woanders zu spielen. Oder anders gesagt - der Millstätter Golfplatz hat mir jedesmal eine andere Seite gezeigt, so dass ich gar nicht weg wollte.

Einen Satz muss ich noch zum Hotel verlieren. Ich war so begeistert, dass wir schon beschlossen haben, im nächsten Jahr wieder dort zu urlauben. Die geschmackvolle und sehr herzliche Atmosphäre des Hauses und des gesamten Teams schaffte es, dass ich mich - ehrlich urlaubsreif - schon nach vier Tagen erholt zurücklehnte, wobei auch die exzellente Küche dazu beitrug. Über die abendlichen Fünf-Gänge-Menus hat sich nicht nur mein Gaumen gefreut, die Hüfte auch …


Das 50. Loch war bodenlos

Veröffentlicht am 28. August 2007 • 0 Kommentare

Anderthalb Tage, oder 49 Loch lang ging alles gut und ich lag im engen Kopf-an-Kopf-Rennen um die diesjaehrige Clubmeisterschaft der Damen zwischenzeitlich drei Schlaege in Fuehrung. An Loch 50 dann spielte ich wie geblitzdingst; mein Driver verliess mich, mein vermeintlicher Rettungsschlag sprang ungluecklich ins Aus und schliesslich lippte der Putt auch noch aus - das war’s dann. Auf den letzten 4 Loechern konnte ich den Horrorabstand zwar noch einmal verkuerzen, aber tough shit: Zweiter Sieger ist erster Verlierer. Es wird eine Weilchen dauern, bis ich mich davon erholt habe.

Der Prominenten-Zahnarzt

Veröffentlicht am 19. August 2007 • 0 Kommentare

Jeden Sonntagmorgen, wenn echte Golfer spätestens ab der 2. Bahn im Stau stehen, überlege ich mir, wie ich die knappen Ressourcen meines Augenlichtes am Sinnvollsten einsetzen kann. Bei fast 16 Dioptrien Kurzsichtigkeit ist das Lesen, besonders am Bildschirm, oft eine Qual.
Sollte also ein PR-Frischling aus dem Hause Aalglatt glauben, dass es mir irgendeinen Spaß machen würde, seine Viren- und tagverseuchten PR-Mails auseinanderzupflücken, um sie in meine NEWS zu posten, dann hat er sich geschnitten. Das mache ich nur noch gegen Schmerzensgeld, bzw. das wird demnächst automatisiert, „Magic Fred“ arbeitet daran.
Wenn ich also die wenigen Stunden, die ich einigermaßen sehen kann, optimal nutzen möchte, muss ich mir immer überlegen, ob ich etwas lesen oder etwas schreiben möchte.
Das ist der Grund, weshalb der sonntägliche Blog manchmal ausfällt: ich habe ein gutes Buch gefunden und mehr geht nicht.
Heute schwankte ich zwischen Aldous Huxleys „Kunst des Sehens“, das ich so gerne lesen würde, wenn die Schrift nicht so klein wäre und EMOTRANCE von Sylvia Hartmann. Eine spannende Alternative wäre eine neue Geschichte aus “Alles schien möglich… Die Aktiven der 60er werden 60!
Diese Dokumentation einer Generation von (meist) Underground- Visionären könnte eine Fundgrube für jene jungen Menschen sein, die mehr im Hirn haben, als nur die Ambition, beim derzeit angesagten Modesport ein möglichst cooles Outfit zu tragen.
Was ich heute nicht lesen wollte, ist ein weiteres Kapitel in Zacharias „Golfprofis schwingen nicht, sie schlagen.
Wer den 3. Tag der Open mitgeschnitten hat, wird sich evtl. an eine ganz kurze Sequenz erinnern, in der Tiger bei Gehen in der Luft seinem Schlag nachspürt, so ein kurzes wellenförmigen Wedeln mit der rechten Hand – besser habe ich den Zacharias nie gesehen. Perfekt! Seitdem denke ich öfter an die rechte Hand, obwohl ich nie mehr über Schlagtechnik nachdenken wollte. Auf den letzten zwei Runden habe ich insgesamt vier Mal gedacht und prompt vier Bälle verloren. Slices, Herr Zacharias, die in Winnerod tödlich sind. Lies das Buch fertig und übe, höre ich ihn sagen. Aber nein. Heute, bei diesem wechselhaften schwülwarmen Wetter, das geradezu prädestiniert ist, sich einen Hexenschuss zu holen, lese ich lieber in Vernon Colemans „Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen“.
Auch sehr aufschlussreich. Zwischendurch starre ich aus dem Fenster und bitte das Universum, dass mir jemand ein Stück Kuchen vorbeibringt.
Kurz darauf klingelt es, und meine liebste, beste Mitarbeiterin, Frau Frank, schaut herein. Sie hat sich ebenfalls entschlossen das Golfspiel aufzugeben, um lieber einen guten Streuselkuchen zu backen. Ich esse Streuselkuchen sehr gerne und so machen wir uns Blümchenkaffee.
Der Kuchen ist lecker und wir essen jeder ein großes Stück. Auf der Clubhausterrasse eines Clubs, den ich vor einiger Zeit in Süddeutschland besuchte, würde ein halb so großes Stück 2,80 Euro kosten. Mit dem Unterschied, dass unser Kuchen frisch war, während der Streuselkuchen in diesem Clubrestaurant höchstens frisch aufgetaut war. Das bedeutet, dass die Streusel kalt sind oder matschig und darunter befindet sich eine steinharte, zementartige Teigschicht. Ich erzählte Frau Frank die Geschichte vom Prominenten-Zahnarzt und dem Streuselkuchen, die sie so geschmacklos und unappetitlich fand, dass ich sie hier unbedingt wiederholen muss, um zu erfahren, ob meine verehrten Leser das genauso sehen.
In jenem Club, den wir hier besser nicht beim Namen nennen wollen, wird man bei jedem Bissen von einem Prominenten-Zahnarzt beobachtet, der Mittwochnachmittags auf der Terrasse hockt und sich unter dem Tisch die Hände reibt. Zum Prominenten-Zahnarzt fühlt er sich berufen, seit er eine junge Russin auf der Durchreise behandelt hatte. Sie war sehr charmant und er durfte sie zum Businesslunch ausführen, nachdem die Zementfüllung fest war, die er ihr verpasst hatte. Er hätte ihr gerne noch mehr verpasst, da seine Frau gerade mit der Damenmannschaft zu einem Turnier aushäusig war. Die junge Dame hielt ihn jedoch auf Distanz. Beim kleinen Fitnessteller im Schlosskeller erzählte sie ihm jedoch, dass sie eine Weile in Wimbledon gearbeitet habe. Dort hätte sie sich mit einer anderen jungen Russin den Arbeitsplatz geteilt, der kaum größer als eine Besenkammer war. Die gestaute zahnärztliche Phantasie erregte sich derart bei dem Gedanken an einen gemeinsamen vorsätzlichen Samenraub der beiden Facharbeiterinnen, dass der Elite-Dentist zur Toilette flüchten musste, woraufhin auch die junge Russin ihre Flucht vorbereitete.
Die Dame habe schon gezahlt, meinte der Kellner, was den Zahnarzt genau bis zu dem Moment erstaunte, als er merkte, dass sie mit seinem Geld bezahlt hatte. Seinen Geldbeutel mit fast 1000 Euro Barschaft und den Kreditkarten hatte sie mitgenommen. Der Kellner verbeugte sich höflich, denn wenn die junge Dame eine Rechnungssumme von 68,70 Euro auf 100 aufrunden ließ, dann sollte man auch dem alten Herrn Respekt erweisen.
„Grüße vom Fräulein Tochter, sie sei schon vorgegangen.“
„Wie? So? Ach ja.“
Der Zahnarzt – wütend, aber wehrlos – suchte das Weite und verbrachte den Nachmittag damit, seine Kreditkarten sperren zu lassen. Aber er würde sich alles zurückholen von den Menschen, die so gemein waren, schwor er sich. Jeden Tag musste er in diese entsetzlichen, faulenden Schlünde degenerierter Mutanten starren und dabei auch noch ertragen, dass in seiner Praxis Generationen von hübschen, jungen Arzthelferinnen zu schönen Frauen reiften. Unerreichbar für ihn, denn sie wurden von seiner Gattin sorgsam bewacht. Die war dereinst selbst junge Arzthelferin gewesen. Jetzt stand sie seiner Praxis täglich als Zuchtmeisterin vor, bis auf den einen Tag in der Woche, an dem Sie mit ihren Golfdamen unterwegs ist.
Immerhin. Die Geschichte mit der jungen Russin erzählte er auf seine Weise und im Laufe der Zeit blieb bei seinen Zuhörern nur hängen, dass er der diensthabende Zahnarzt von Wimbledon sei. Dieses Missverständnis pflegte er dadurch, dass er während der Turniertage in irgendeinem Seminar verschwand, in dem er sich ein paar Fortbildungspunkte zusammenträumte. Zurück von der Reise erzählte er kein Wort. Er suhlte sich in Schweigepflicht. Seine ungewohnte Diskretion führte zu Spekulationen darüber, wie oft er mit den sportlichen Größen der Tenniswelt oral verkehrte, aber er schwieg und pflegte die Legendenbildung, sozusagen als Marketingmaßnahme für seine Praxis.
Er war es, der dem Pächter des Clubrestaurants einen Bäcker empfohlen hatte, der „gelagerte Ware“ anliefern würde, die gesünder für die Verdauung sei, wie er betonte. Als Zahnarzt würde er auch seiner Familie empfehlen, Frischgebackenes zu vermeiden, da der Kiefer mahlen müsse, wenn der Zahnschmelz gesund bleiben solle. Ha, ha! Fakt war, dass auf dieser Clubterrasse manche Brücke brach, manches Inlay heraussprang und einmal sogar ein echtes Malheur passierte.
Die ehemalige Seniorenmeisterin, die das Clubgeschehen mit ihren über 80 Jahren gerne von der Terrasse aus betrachtete, fühlte sich eines Tages zu schwach, um ihren Streuselkuchen mit der Gabel zu zerteilen. In Wirklichkeit war sie nicht zu schwach, sondern der Kuchen, der ohnehin eine betonartige Konsistenz hatte, war erst halb aufgetaut. Schmal, wie die Stücke in diesem Club geschnitten wurden, war es kein Problem für die Dame, ihr Stück mit abgespreiztem hanseatischem Finger zum Mund zu führen. Schon beim ersten Bissen steckte sie fest. Der Kellner bemerkte ihr Röcheln erst, als sie schon blau angelaufen war und rief den Prominenten-Zahnarzt, der gerade in einer anderen Ecke der Terrasse auf Beute lauerte. Er sprang herbei, riss dem verdutzten Kellner das Handtuch vom Arm, deckte es über die zu Tode erschrockene, alte Dame und mit einem kurzen Ruck zog er unter dem Handtuch an dem Kuchenstück, in dem die Zähne feststeckten. Triumphierend hielt er sein Beutestück hoch, die Zähne beider Kiefer hingen im Kuchen fest.
Dann übermannte ihn die Diskretion. Er warf das Handtuch über den Gebisskuchen, zog die alte Dame an sich und verfrachtete sie in seiner Luxuslimousine zur Praxis, nicht ohne ihr auf dem Weg die vielfältigen Möglichkeiten der Zahnheilkunst nahe zu legen, die das Zerbeißen von Betonplatten möglich machen würden.
An diesen Club muss ich denken, während ich den leckeren, frischen Kuchen futtere.
Draußen ist das Wetter zum Abend doch noch sonnig geworden. Vielleicht gebe ich das Spiel ein andermal auf und gehe noch eine Runde…

I love rain!

Veröffentlicht am 14. August 2007 • 0 Kommentare

Ja, ich bin gut gelandet und so gut wie wiedergeboren. Danke der Nachfrage. Nein, es waren nicht nur die Sushi. Es war auch eine, wie soll ich sagen, sphärische Dissonanz, die mir zugesetzt hatte. Mein spiritueller Berater meint, dass die Sonne auf jedem Erdteil anders wirkt und ich die kanadische Sonne einfach nicht vertragen könnte.
Natürlich hätte ich mich gerne nach der Ankunft in Düsseldorf standesgemäß auf den Boden geworfen, um die Heimaterde zu küssen, aber man kommt ja nicht mal in die Nähe der Asphaltbahn. Ich wurde sozusagen direkt in den modernen Düsseldorfer Flughafenbereich getunnelt, der in seiner Innenarchitektur den modernen Menschenaffen–Gehegen in deutschen Zoos ähnelt, oder auch den Hochsicherheitstrakten in Stuttgart-Stammheim. Stahl, Glas und Kacheln und nichts zum hinsetzten, wenn man nach 24 Stunden Schlaflosigkeit auf sein Gepäck wartet. Aber dies ist der Moment, dem Presse-Team von LTU noch mal herzlich zu danken, die mir die Reise so angenehm wie möglich gestaltet hatten, wozu auch gehörte, dass mein Gepäck immer zuerst auftauchte.
Als ich dann kurz vor sieben fix und fertig vor einem Flughafen-Infoschalter stand und mich zwei gelangweilte Muffel anstarrten, die mir dann mitteilten, dass sie mir keine Infos geben könnten (und mich zum DB-Infoschalter weiterschickten), da dankte ich Gott, denn ich wusste, ich hatte es geschafft: ich war zurück in Deutschland.
Und dann der Regen! Oh, wie liebe ich den Regen. War es tatsächlich 1993? Die Qualifying zur OPEN in Sandwich wurde u. A. in Royal Clique Ports gespielt und ich war vermutlich der einzige Deutsche weit und breit, der sich so etwas anschaute. Ich lief einige Löcher mit Heinz Peter Thül mit, der sich tapfer, aber leider erfolglos, durch die Dünen kämpfte. Es war mein erstes „Close Encounter“ mit Hard Core Links. Am nächsten Tag lud mich der Sekretär ein, den Platz zu spielen. Es war ein unglaublich schlechtes, windiges Dreckwetter; Regenböen, die nicht von oben kamen, sondern frontal. Vor mir spielte eine „Traditional Society“ in Tweed- Bekleidung und mit Hickory Schlägern, an der Marc Amort seine Freude gehabt hätte. Richtig harte Hunde. Ich habe sie nie eingeholt.
An der 9. war das wunderbarste Halfway House, das ich in meinen über zwanzig Golferjahren genossen habe. Es war wie ein richtiger Miniatur-Pub - keine Vesperhütte für die unterzuckerte Schickeria, nein, das war ein echter Schutzraum, in dem sich die Spieler eine Weile vor den grässlichen Böen und harten Winden schützen konnten, die Leib und Seele zerfraßen und alle Bälle schluckten (und früher vermutlich vor V2 Raketen).
Der Steward, der damals diese Hütte bediente, war ein ausgesprochen netter Kerl, der aus London stammte und hier sein Auskommen fand. Je schlechter das Wetter, um so mehr Kohle. Während es in unseren Halfway Häusern vielleicht ein Stück Kuchen, mit etwas Glück ein belegtes Brot (in Bad Orb sogar Vollkornbrot) gibt, aber nicht viel mehr, war dieser Kollege komplett eingerichtet, was nach meiner damaligen Weltanschauung bedeutete, dass er einen ordentlichen Single Malt im Regal hatte.
In englischen Clubs erwarten wir keine genießbaren Nahrungsmittel, aber bitte sehr: er hatte köstliche Curryhuhn-Sandwiches, die in England sonst oft sehr mies sind und schnell zu dem führen, was ich aus aktuellem Anlass den kanadischen Infekt nennen möchte.
Bei diesem Burschen habe ich gefressen und gesoffen, weil ich nicht mehr raus wollte, in die eiskalte, nasse, windige Welt und ich weiß noch, wie er (er trank mit) ziemlich lange, eigentlich die ganze Zeit, von Steffi Graf´s Beinen schwärmte.
Irgendwann musste ich einfach weiter. Ich hackte mich 9 Loch gegen den Wind durch die Dünen und als ich am Clubhaus ankam, stand da Tom Watson und einige Member um ihn herum. Ich kapierte natürlich wieder mal gar nichts, aber nach einer Weile wurde mir klar, dass Tom ein paar Freunden einen persönlichen Demo-Workshop geben wollte.
Alle gingen auf die Wiese hinter dem Clubhaus, ich mit. Es regnete zum Gotterbarmen. Tom stand da in seinem Sweater, breitete die Arme aus und rief: „Rain! I love rain!“ Dann begann er ohne die geringste Eile Bälle zu schlagen. Seine Freunde durften sich wünschen, wie er einen Ball spielen sollte und er machte es. Am Unvergesslichsten war mir ein Schlag mit dem Holz 3.
Ein Member legte einen Ball an eine Stelle auf der Wiese, an der es etwas bergab ging (down hill lie) und Tom sollte den Ball gegen den Wind zu einer Fahne schlagen. Ich meine, er spielte damals noch ein Persimmonholz und kein Metal. Jedenfalls flog der Ball endlos, vollkommen flach unter dem Wind, stieg dann plötzlich an, um sanft an der Fahne zu landen.
Die nächsten Tage wurde es heiß. Weil es so viel geregnet hatte, waren die Grüns weicher als erwartet. Alle „bump and run“ Links-Könner konnten einpacken, die Grüns wurden hoch angepitcht und die Bälle hielten. Es war die OPEN 1993. Greg Norman gewann. Nick Faldo hatte am Finaltag Geburtstag, Langer spielte den entscheidenden Ball rechts raus und wurde trotz fürchterlicher Rückenprobleme immernoch Zweiter. Soweit ich mich entsinne, war es auch das erste Mal, dass ich John Daly sah. Später in Muirfield hatte man den Zaun der Driving Range schon zurückgesetzt, aber in Sandwich blies „The Wild Thing“ alles über den Jordan. Spektakulär war, wie er das Grün eines Par 4 Carry vom Tee aus angriff und dabei fast die Spieler vor ihm erwischte. Ja, ja, die gute alte Zeit. Vielleicht kann mir mal jemand sagen, wie ich da jetzt drauf kam?
Ach ja, der Regen. Als ich in Deutschland landete, regnete es so herrlich. Die muffigen Gesichter, die Dallmayer-Plörre in der Bahn, vermutlich dem einzigen Ort in Deutschland, wo man Morgens um Sieben gummiartige Brötchen serviert bekommt – kurz gesagt – alles war so wie immer: wie ich es liebe.
Zu Hause wurde ich dann in einen ekstatischen Zustand vollkommener Befreiung katapultiert. Mein IT-Berater, der meinen Laptop während meiner Abwesenheit waschen, schneiden und föhnen sollte und dazu alle meine Daten auf einer externen Festplatte ausgelagert hatte, teilte mir mit, dass sich ebendiese externe Festplatte nicht mehr gemeldet hätte. Mein Outlook (das größte, das er je gesehen hatte) mit Tausenden von Mails darunter allein Hunderte von Oliver Heuler, (die ich immer als meine Altersversorgung angesehen hatte), alle meine Texte, Daten, Bilder: ALLES IST WEG!
ALLES IST WEG, sagte mir einst Meister Gia Fu Feng: „Every lift of hand, every step of feet, there is nothing, that’s not DAO.“ Nichts, was nicht der WEG wäre. Loslassen von Anhaftungen. Wieviele Gigabite Anhaftung hatte ich? Jetzt sind sie weg. Zurückkehren zum Ursprung, nennt das Yürgen Oster.
Oh, was für ein herrliches Gefühl. ALLES WEG! Fast so schön wie Regen. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass mir alle, die diesen Text lesen und mit mir Kontakt hatten und sich wundern, dass ich mich nicht mehr melde, ihre Kontaktdaten neu schicken sollten.
Über die einzige Datenbank, die noch besteht, haben wir an alle Golffreunde Einladungen zu unserer Vernissage mit Lesung am 14. September im Golfpark Winnerod verschickt, anlässlich der ich mein neues Buch „GOLFGAGA – Der Fluch der weißen Kugel“ vorstellen werde.
GOLFGAGA-Exemplare können Sie jetzt schon bei Frank Pyko vorbestellen, der freundlicherweise meine Firmenkunden betreut. Wer sich für die Vernissage mit Lesung interessiert und keine Einladung bekommen hat, möge sich bitte über die Veranstaltungswebsite anmelden.

Also denkt dran: Jedes Fairway, wohin es auch führt, alles ist Weg,

In diesem Sinne, liebe Golfhamsters …

Ihr/Euer

Eugen Pletsch

Die Bestahlung des Grauens

Veröffentlicht am 06. August 2007 • 0 Kommentare

Eigentlich wollte ich über Golf in Ontario schreiben, aber jetzt heißt das Thema: „Sushi an den Niagara-Fällen“, die ich besser nicht hätte essen sollen, an diesem heißen Tag. „Iß niemals Fisch, wenn Du das Wasser nicht siehst,“ sagte Peter. „Da war jede Menge Wasser,” antwortete ich. „Aber kein Salzwasser, Idiot, das ist Tausend Meilen weit weg.”
Na gut. Pech gehabt. Dabei sah die kleine Japanerin, die mir mein Futter zubereitete, so nett aus. Vermutlich hat der Weg in der Mittagshitze vom Sushistand zum Sitzplatz ausgereicht, um Milliarden von Killerviren und Monstermikroben zu aktivieren, die sofort meinen Organismus kaperten, um mich von innen aufzufressen. So fühle ich mich zumindest. An Golf ist bei dieser Affenhitze mit einem Magen-Darm-Infekt und Kreislaufschwäche sowieso nicht zu denken.
Schon bei der Canadian Open hatte ich mir einen Sonnenstich geholt. Ich weiß, dass sich mancher meiner lieben Leser fragt, ob ich den nicht chronisch habe, aber nein, der ist jetzt ganz frisch. Mit dem flauen Gefühl von Killerviren aufgefressen zu werden, lag ich in einem Sessel und dachte ich nach, was ich tun könnte. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass ich das ganze Gezuppe, das meinen Körper infiziert hat, nur mit etwas noch Ekelhafterem loswerde, sozusagen eine Bestrahlung des Grauens, die jeden Virus in die Flucht schlägt. Ich beschloss, den Golf Channel bei Bell zu buchen. Wenn man die Kunst der Tonwahl beherrscht und viel Geduld mitbringt, kann es klappen. Mein Bell-Verkäufer trug vermutlich ein Polohemd mit der Aufschrift „Million Dollar Club“. Das bedeutet, dass er zu der Elite der Top-Verkäufer gehört, die jedem Gimpel, der unschuldig und dumm nach einem Kanal fragt, ein Sonderpaket verkaufen wird. Ich fragte nach dem Golf Channel (ein Monat für 8.- $) und konnte froh sein, dass er mich mit nur einem Sonderpaket für 20.- $ verabschiedete, wobei sich dann herausstellen sollte, dass ich alle deutschen Kanäle sowie einige Adult-Programme gebucht hatte, was dann aber mit nur 25.- $ bei lebenslanger Laufzeit berechnet werden sollte, oder so ähnlich. Und meine Seele bekommen sie dann auch noch irgendwann. Ganz genau habe ich ihn nicht verstanden. Aber Steve bedankte sich für meinen Anruf und führte dabei aus, wie wunderbar es für ihn war, mir zu Diensten sein zu dürfen. Er wünschte mir – wirklich ganz persönlich – einen großartigen Tag, verbunden mit der Hoffnung, Bells Dienste bald wieder zu nutzen, zum Beispiel, um das großartige, neue Tonwahlsystem zu erforschen, das ähnlich geheimnisvoll ist, wie jene verfranzten Enden der Galaxis, die selbst Bell noch nicht vernetzt hat. Jetzt kann ich den Golf Channel empfangen. Es ist wundervoll! Einfach phantastisch. Jeder, der den Golfkanal empfängt, wird bestätigen, dass das intellektuelle Niveau selbst Premiere-Übertragungen in den Schatten stellt und ich sage das nicht leichtfertig. Natürlich haben wir Deutschen immer etwas zu meckern, suchen immer Tiefe, Sinn und Verbindlichkeit in der Kommunikation, was oberflächliche Betrachter schnell zu dem Urteil kommen lässt, dass alle Amerikaner noch oberflächlicher sind. Das sind sie aber nicht immer. Zum Beispiel gibt es wirklichen Tiefgang, was die Folterforschung in unterirdischen amerikanischen Gefängnissen angeht, aber das soll heute nicht unser Thema sein. Ich versuche, meinen Virus mit etwas wirklich Ekelhaftem zu bestrahlen und US Golf-Entertainment der schwachsinnigsten Sorte wird vielleicht helfen:
In der Mitte der Gesprächsrunde sitzt eine wetterfeste Blondine mit Sturmhaubenfrisur, nennen wir sie Wendy. Sie sitzt da und lächelt, garniert von zwei Experten, die jetzt zeigen können, was sie drauf haben.
„Jake, wie sieht es aus?“
“Oh, Wendy, das ist eine großartige Frage. Ehrlich gesagt, hatte ich die Frage erwartet!“ (Alle lachen, sie zieht ein kokettes Schnäuzchen).
„Ich denke, ich sollte Deine Frage ehrlich beantworten, Wendy.“
„Das wäre großartig, Jake!“
„Danke, Wendy. Nun ich glaube, dass Rory sich keinen Gefallen damit tat, dass er behauptete, Tiger wäre jetzt mehr denn je zu schlagen.“
„Oh, sagte das Tiger?“
„Nein Wendy, das sagte Rory. Wir sprechen seit einer Woche davon und darauf zielte deine Frage.“
„Wunderbar, Jake, ich hatte eine Frage. Danke, dass Du den Ball so geschickt aufgefangen hast. Jetzt kommt alles ans Licht!“ Alle lachen.
Jetzt wendet sie ich Frank zu: „Wie spielt Tiger, Frank?“ „Großartig, Wendy! Tiger spielt großartig. Er ist unschlagbar. Nur gestern, am dritten Tag World Golf Championships-Bridgestone Invitational lag Rory in der Tat vorne, aber jetzt, nach fünf Loch ist Tiger schon wieder auf dem besten Weg, dem Großmaul Sabbatini eins zu verpassen, der zu den unbeliebtesten Spielern der Tour gehört und dem ich jedes mal eine reinhauen könnte, wenn ich ihn sehe.”
„Das ist wunderbar, Frank, hast Du das wirklich gesagt, life im Golf Channel? Habe ich dich richtig verstanden?”
„Nein, das habe ich natürlich nicht gesagt, Du Grasmückenhirn, nicht mal gedacht, habe ich das. Das hat man mir fälschlicherweise in den Mund gelegt.“
Jake (zum Publikum): Danke für Deine hervorragende Analyse, Frank. Schließlich hast Du selbst aktiv Golf gespielt. Warst Du nicht Golf Professional und hast sogar ein Turnier gewonnen?“
Nobilo (geschmeichelt): „Oh ja, zu meiner Zeit habe ich sehr viel Golf gespielt. In Neuseeland, woher ich stamme, habe ich auch schon gewonnen.“
Wendy: „Neuseeland! Wie wunderbar? Ist es da nicht zu kalt zum Golf spielen?“ Frank: „Du meinst Neufundland, kleine Flachfliege mit Sturmhaubenfrisur.“
Alle lachen und freuen sich. Dann, nach der Werbung wechseln sie von der World Golf Championships-Bridgestone Invitational zur Reno-Tahoe Open, dem eigentlichen Thema dieser Sendung.
Zu meiner Verwunderung zeigten sie sogar Alex Cejka, als er auf der 3. Runde (69) an einem Par 3 sein Eisen hinters Grün drosch. Absolut hässliche Lage, die er mit Bravour meisterte. Wie er den Ball von da aus aufs Grün brachte, zeigten sie nicht, aber er lochte den Putt zum Par. Außerordentlich. Im Hintergrund wurden drei Fans in T-Shirt gezeigt: Go Alex go! Langsam ahne ich, was Alex hier im Land der Flachfliegen so abliefert, mit seinen Rückenschmerzen, dem ganzen privaten und Business-Stress und überhaupt. Ich denke, ich würde mich lieber von meinen Mikroben auffressen lassen, als mit ihm tauschen zu wollen. Die paar Bilder, die ich von ihm sah, nicht zuletzt seine 64 bei der Canadian Open, haben mein Bild von ihm verändert. Ich werde in Sachen Alex Cejka nicht nur zu frozzeln aufhören, sondern auch mit einer respektvollen Verbeugung den Hut ziehen und ihm alles Gute wünschen.
Bei der Bridgestone Invitational hat Tiger den Sack zugemacht und die Uebertagung auf CBC mit den Kommentatoren Faldo und Feherty ist um Längen besser, als das Gesülze auf dem Golf Channel. Sogar die Werbung, die alle drei Minuten einsetzt, finde ich heute Klasse, denn nach einigen Litern Kamillentee und einen Nachmittag Golf Channel sind alle Killerviren freiwillig bereit, meinen gestressten Organismus auf dem kürzesten Weg zu verlassen.
Das war eine Botschaft von Eugen Pletsch, Georgian Bay, Ontario und ich danke Ihnen, dass Sie diesem Text bis hierher gefolgt sind. Es ist für mich ein wunderbares Gefühl, für Sie Schwachsinn schreiben zu dürfen und ich freue mich, wenn Sie bald wiederkommen, um ein weiteres Mal verwundert auf Worte zu starren, die vielleicht für irgendwen irgendwo einen Sinn ergeben.

Verdammte F&$%$ *&§!!!

Veröffentlicht am 05. August 2007 • 0 Kommentare

PGA Pros fluchen genauso wie wir, wenn sie einen Schlag daneben setzen. Das Problem ist nur, dass mehr Leute ihnen dabei zuhören.

Who’s your Caddie?

Veröffentlicht am 01. August 2007 • 0 Kommentare

Die Spieler auf den Touren verfuegen fast alle ueber einen Caddie, nur auf den kleineren Einstiegstouren ziehen einige selbst einen Trolley hinter sich her. Ein Caddie ist fuer seinen Spieler mehr als nur Traeger der rund 35 Kilo schweren Tasche. Er hilft bei der Berechnung der Distanz und der Ausrichtung zum Ziel, kennt den Platz und seine Tuecken, reicht den richtigen Schlaeger zur rechten Zeit, reinigt den Schlaeger nach dem Schlag, bedient die Fahne und ist dem Spieler eine wertvolle psychologische Stuetze, die im Zweifel das richtige sagt bzw. zu schweigen weiss. Die Topspieler der PGA- und European Tour haben oft seit Jahren ihren Bagman und einige wenige sind inzwischen selbst beruehmt und - dank ihrer erfolgreichen Spieler - auch reich. Tiger Woods und Steve Williams gehoeren genauso zusammen wie Phil Mickelson und Jim “Bones” McKay oder frueher Nick Faldo und Fanny Sunesson, eine der ganz wenigen Frauen in diesem Knochenjob, die heute bei Tour-Rookies sehr gefragt ist als Beraterin in Sachen Course Management. Oft ist es auch ein Familienjob - Seve Ballesteros trug frueher die Tasche seine aelteren Bruders bevor seine eigene Karriere ihren steilen Aufstieg begann. Luke Donalds Tasche traegt sein Bruder Chris, der auf den schoenen Spitznamen Asbestos hoert, ”because he’s fireproof”, wie Donald mal gegenueber einem Journalisten witzelte. Ja, Caddies sind auch Blitzableiter.

Romeo: You don’t need to be thinking immortality — you need to be thinking hit the 7 iron!

Caddies kennt man heute meist nur noch aus dem Profigolf, in den Clubs sind sie in vielen Laendern de facto ausgestorben. In der Tuerkei und Nordafrikanischen Laendern findet man noch welche, und in Asien sind sie auch noch sehr praesent. In den USA wurden sie durch Elektrocarts ersetzt, nicht selten mit GPS ausgestattet, damit die Runde schneller und angenehmer fuer den Golfer verlaeuft und vor allem der Club einen guten Schnitt macht. Laufen kostet Zeit und Zeit ist Geld. Weshalb auch in nicht wenigen Clubs der USA fuer die Spieler schon Cartpflicht besteht.

Der Club in dem ich als Kind spielte hatte noch bis in die Achtziger Jahre einen Caddiemaster. Der wachte ueber eine Anzahl schwer pubertierender Bengels, die fuer die Runde acht Mark bekamen - plus Trinkgeld, wenn der Spieler eine gute Runde hinter sich hatte. Der Caddiemaster bekam natuerlich auch seinen Teil ab. Ihn bei Laune zu halten war fuer die Jungens essentiell, denn er teilte die Runden zu. War einer auf der shitlist dieses alten Rauhbeins gelandet, konnte er froh sein, ueberhaupt einen Spieler zu bekommen - und dann war es garantiert ein alter Knauser, der nicht nur kein Trinkgeld gabe sondern anschliessend polterte, der verdammte Kerl haette keinen Ball gefunden und ihm die Runde ruiniert. Trotzdem war die lange Holzbank vor dem Caddiehaus vor allem am Wochenende immer gut besetzt und in den Pausen uebten viele der Jungens mit den Schlaegern aus dem Lost and Found Bag hinter dem Haus das Spiel.
Caddies gibt es in besagtem Club heute immerhin noch ”auf Anfrage” (ich wette, sie ist sehr ueberschaubar). Einen Caddiemaster nicht mehr. Das alte Rauhbein sieht sich laengst das Fairway von unten an und einen Nachfolger gab es nie.

Louis: “If you guys want to get fired, if you want to be replaced by golf carts, just keep it up!”

Die meisten Freizeitgolfer heute nutzen einen Trolley. So ein Waegelchen kostet so zwischen 50 und 200 Euro, ist klein zusammenlegbar und versieht klaglos seinen Dienst. Es findet natuerlich keine Baelle und hilft einem auch nicht bei der Platzkenntnis oder der Entscheidung ”vorlegen oder drueberdonnern”. In der zunehmend beliebter werdenden Elektro-Variante faehrt es fast von allein und kostet zwischen 250 Euro und knapp 5.000 Euro. Ja, richtig gelesen, gefuehlte 10.000 DM. Manch einer, der frueher zaehneknirschend genau 8 DM fuer vier Stunden Arbeit in eine verschwitzte Kinderpfote gezaehlt haette, schubst nun laessig seinen leise schnurrenden Titan-Trolley im Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens ueber den Platz.

Ich bin dann jetzt mal Caddyshack gucken.