Eigentlich wollte ich über Golf in Ontario schreiben, aber jetzt heißt das Thema: „Sushi an den Niagara-Fällen“, die ich besser nicht hätte essen sollen, an diesem heißen Tag. „Iß niemals Fisch, wenn Du das Wasser nicht siehst,“ sagte Peter. „Da war jede Menge Wasser,” antwortete ich. „Aber kein Salzwasser, Idiot, das ist Tausend Meilen weit weg.”
Na gut. Pech gehabt. Dabei sah die kleine Japanerin, die mir mein Futter zubereitete, so nett aus. Vermutlich hat der Weg in der Mittagshitze vom Sushistand zum Sitzplatz ausgereicht, um Milliarden von Killerviren und Monstermikroben zu aktivieren, die sofort meinen Organismus kaperten, um mich von innen aufzufressen. So fühle ich mich zumindest. An Golf ist bei dieser Affenhitze mit einem Magen-Darm-Infekt und Kreislaufschwäche sowieso nicht zu denken.
Schon bei der Canadian Open hatte ich mir einen Sonnenstich geholt. Ich weiß, dass sich mancher meiner lieben Leser fragt, ob ich den nicht chronisch habe, aber nein, der ist jetzt ganz frisch. Mit dem flauen Gefühl von Killerviren aufgefressen zu werden, lag ich in einem Sessel und dachte ich nach, was ich tun könnte. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass ich das ganze Gezuppe, das meinen Körper infiziert hat, nur mit etwas noch Ekelhafterem loswerde, sozusagen eine Bestrahlung des Grauens, die jeden Virus in die Flucht schlägt. Ich beschloss, den Golf Channel bei Bell zu buchen. Wenn man die Kunst der Tonwahl beherrscht und viel Geduld mitbringt, kann es klappen. Mein Bell-Verkäufer trug vermutlich ein Polohemd mit der Aufschrift „Million Dollar Club“. Das bedeutet, dass er zu der Elite der Top-Verkäufer gehört, die jedem Gimpel, der unschuldig und dumm nach einem Kanal fragt, ein Sonderpaket verkaufen wird. Ich fragte nach dem Golf Channel (ein Monat für 8.- $) und konnte froh sein, dass er mich mit nur einem Sonderpaket für 20.- $ verabschiedete, wobei sich dann herausstellen sollte, dass ich alle deutschen Kanäle sowie einige Adult-Programme gebucht hatte, was dann aber mit nur 25.- $ bei lebenslanger Laufzeit berechnet werden sollte, oder so ähnlich. Und meine Seele bekommen sie dann auch noch irgendwann. Ganz genau habe ich ihn nicht verstanden. Aber Steve bedankte sich für meinen Anruf und führte dabei aus, wie wunderbar es für ihn war, mir zu Diensten sein zu dürfen. Er wünschte mir – wirklich ganz persönlich – einen großartigen Tag, verbunden mit der Hoffnung, Bells Dienste bald wieder zu nutzen, zum Beispiel, um das großartige, neue Tonwahlsystem zu erforschen, das ähnlich geheimnisvoll ist, wie jene verfranzten Enden der Galaxis, die selbst Bell noch nicht vernetzt hat. Jetzt kann ich den Golf Channel empfangen. Es ist wundervoll! Einfach phantastisch. Jeder, der den Golfkanal empfängt, wird bestätigen, dass das intellektuelle Niveau selbst Premiere-Übertragungen in den Schatten stellt und ich sage das nicht leichtfertig. Natürlich haben wir Deutschen immer etwas zu meckern, suchen immer Tiefe, Sinn und Verbindlichkeit in der Kommunikation, was oberflächliche Betrachter schnell zu dem Urteil kommen lässt, dass alle Amerikaner noch oberflächlicher sind. Das sind sie aber nicht immer. Zum Beispiel gibt es wirklichen Tiefgang, was die Folterforschung in unterirdischen amerikanischen Gefängnissen angeht, aber das soll heute nicht unser Thema sein. Ich versuche, meinen Virus mit etwas wirklich Ekelhaftem zu bestrahlen und US Golf-Entertainment der schwachsinnigsten Sorte wird vielleicht helfen:
In der Mitte der Gesprächsrunde sitzt eine wetterfeste Blondine mit Sturmhaubenfrisur, nennen wir sie Wendy. Sie sitzt da und lächelt, garniert von zwei Experten, die jetzt zeigen können, was sie drauf haben.
„Jake, wie sieht es aus?“
“Oh, Wendy, das ist eine großartige Frage. Ehrlich gesagt, hatte ich die Frage erwartet!“ (Alle lachen, sie zieht ein kokettes Schnäuzchen).
„Ich denke, ich sollte Deine Frage ehrlich beantworten, Wendy.“
„Das wäre großartig, Jake!“
„Danke, Wendy. Nun ich glaube, dass Rory sich keinen Gefallen damit tat, dass er behauptete, Tiger wäre jetzt mehr denn je zu schlagen.“
„Oh, sagte das Tiger?“
„Nein Wendy, das sagte Rory. Wir sprechen seit einer Woche davon und darauf zielte deine Frage.“
„Wunderbar, Jake, ich hatte eine Frage. Danke, dass Du den Ball so geschickt aufgefangen hast. Jetzt kommt alles ans Licht!“ Alle lachen.
Jetzt wendet sie ich Frank zu: „Wie spielt Tiger, Frank?“ „Großartig, Wendy! Tiger spielt großartig. Er ist unschlagbar. Nur gestern, am dritten Tag World Golf Championships-Bridgestone Invitational lag Rory in der Tat vorne, aber jetzt, nach fünf Loch ist Tiger schon wieder auf dem besten Weg, dem Großmaul Sabbatini eins zu verpassen, der zu den unbeliebtesten Spielern der Tour gehört und dem ich jedes mal eine reinhauen könnte, wenn ich ihn sehe.”
„Das ist wunderbar, Frank, hast Du das wirklich gesagt, life im Golf Channel? Habe ich dich richtig verstanden?”
„Nein, das habe ich natürlich nicht gesagt, Du Grasmückenhirn, nicht mal gedacht, habe ich das. Das hat man mir fälschlicherweise in den Mund gelegt.“
Jake (zum Publikum): Danke für Deine hervorragende Analyse, Frank. Schließlich hast Du selbst aktiv Golf gespielt. Warst Du nicht Golf Professional und hast sogar ein Turnier gewonnen?“
Nobilo (geschmeichelt): „Oh ja, zu meiner Zeit habe ich sehr viel Golf gespielt. In Neuseeland, woher ich stamme, habe ich auch schon gewonnen.“
Wendy: „Neuseeland! Wie wunderbar? Ist es da nicht zu kalt zum Golf spielen?“ Frank: „Du meinst Neufundland, kleine Flachfliege mit Sturmhaubenfrisur.“
Alle lachen und freuen sich. Dann, nach der Werbung wechseln sie von der World Golf Championships-Bridgestone Invitational zur Reno-Tahoe Open, dem eigentlichen Thema dieser Sendung.
Zu meiner Verwunderung zeigten sie sogar Alex Cejka, als er auf der 3. Runde (69) an einem Par 3 sein Eisen hinters Grün drosch. Absolut hässliche Lage, die er mit Bravour meisterte. Wie er den Ball von da aus aufs Grün brachte, zeigten sie nicht, aber er lochte den Putt zum Par. Außerordentlich. Im Hintergrund wurden drei Fans in T-Shirt gezeigt: Go Alex go! Langsam ahne ich, was Alex hier im Land der Flachfliegen so abliefert, mit seinen Rückenschmerzen, dem ganzen privaten und Business-Stress und überhaupt. Ich denke, ich würde mich lieber von meinen Mikroben auffressen lassen, als mit ihm tauschen zu wollen. Die paar Bilder, die ich von ihm sah, nicht zuletzt seine 64 bei der Canadian Open, haben mein Bild von ihm verändert. Ich werde in Sachen Alex Cejka nicht nur zu frozzeln aufhören, sondern auch mit einer respektvollen Verbeugung den Hut ziehen und ihm alles Gute wünschen.
Bei der Bridgestone Invitational hat Tiger den Sack zugemacht und die Uebertagung auf CBC mit den Kommentatoren Faldo und Feherty ist um Längen besser, als das Gesülze auf dem Golf Channel. Sogar die Werbung, die alle drei Minuten einsetzt, finde ich heute Klasse, denn nach einigen Litern Kamillentee und einen Nachmittag Golf Channel sind alle Killerviren freiwillig bereit, meinen gestressten Organismus auf dem kürzesten Weg zu verlassen.
Das war eine Botschaft von Eugen Pletsch, Georgian Bay, Ontario und ich danke Ihnen, dass Sie diesem Text bis hierher gefolgt sind. Es ist für mich ein wunderbares Gefühl, für Sie Schwachsinn schreiben zu dürfen und ich freue mich, wenn Sie bald wiederkommen, um ein weiteres Mal verwundert auf Worte zu starren, die vielleicht für irgendwen irgendwo einen Sinn ergeben.